Swischtow liegt am rechten Donauufer, rund 250 Kilometer nordöstlich von Sofia. Östlich der Stadt lag Nove, das römische Legionslager, in dem zuerst die Legio VIII Augusta und später die Legio I Italica standen. In der Stadt selbst stehen das Geburtshaus des Schriftstellers Aleko Konstantinow und eine Reihe bulgarischer Erstleistungen der Wiedergeburtszeit. Der Frieden von 1791 zwischen Österreich und dem Osmanischen Reich trägt den Namen der Stadt.
Swischtow gehört nicht zu den Orten, die in Reiseführern vorne stehen, und genau das macht den Besuch lohnend. Die Stadt ist ruhig, die Donau breit, und an kaum einem anderen Ort des Landes liegen römisches Militärlager, Wiedergeburtszeit und die Geschichte europäischer Diplomatie so dicht beieinander wie hier.
Diese Seite führt durch die Stadt und ihre Umgebung: Du erfährst, woher der Name kommt, was in Nove ausgegraben wurde, warum der Schriftsteller Aleko Konstantinow hier zu Hause ist, welche Rolle Swischtow in den Kriegen und Friedensschlüssen des 18. und 19. Jahrhunderts spielte und wie du die Stadt in eine Donauroute einbaust.
| Lage | rechtes Donauufer, rund 250 km nordöstlich von Sofia, gegenüber der rumänischen Seite |
|---|---|
| Name | von bulgarisch „swescht“ (Kerze): Lichter in Fischerhütten wiesen Booten den Weg |
| Römisches Nove | Legionslager des 1. bis 6. Jahrhunderts, Legio VIII Augusta, später Legio I Italica |
| Grabungen | polnisch-bulgarisch seit 1960, 2024 die 65. Saison |
| Aleko Konstantinow | geboren 1. Januar 1863 in Swischtow, Haus-Museum seit 1926 |
| Frieden von Swischtow | 4. August 1791, Österreich und Osmanisches Reich |
| Donauübergang | russische Truppen im Juni 1877 |
Fragen, die wir beantworten
- Woher kommt der Name Swischtow?
- Wo liegt Swischtow und wie kommst du hin?
- Was ist Nove und was gibt es dort zu sehen?
- Was haben die Grabungen ergeben?
- Wer war Aleko Konstantinow?
- Was ist in Swischtow zum ersten Mal in Bulgarien entstanden?
- Welche Rolle spielte Swischtow in der europäischen Geschichte?
- Wie baust du Swischtow in eine Donauroute ein?
Woher kommt der Name Swischtow?
Der Name der Stadt erinnert an das bulgarische Wort für Kerze, swescht. Bevor die Stadt entstand, standen am Ufer Fischerhütten, in denen nachts Feuer brannten, um den Booten auf dem Fluss den Weg zu weisen. Das Bild passt zum Ort: Die Donau war hier immer Verkehrsweg, Grenze und Einnahmequelle zugleich.
In älteren Texten und Verträgen erscheint der Ort unter abweichenden Schreibweisen, im Westen als Sistova. Wenn du in deutschen oder österreichischen Büchern auf den Frieden von Sistova stößt, ist Swischtow gemeint.
Wo liegt Swischtow und wie kommst du hin?
Swischtow liegt am rechten, also südlichen Ufer der Donau, rund 250 Kilometer nordöstlich von Sofia. Auf der anderen Seite liegt Rumänien; die Stadt gehört zu den Grenzübergängen an der Donau, in der Reihe mit Widin, Lom, Somowit-Nikopol, Russe, Tutrakan und Silistra. Wer die Donauregion bereist, kann Swischtow gut mit Russe verbinden, mit Silistra im Osten oder mit Plewen im Westen.
Am bequemsten reist du mit dem Auto an, weil die Donauorte weit auseinander liegen. Die Seite Mietwagen in Bulgarien erklärt Vignette und Verleihfirmen. Von Weliko Tarnowo aus lässt sich Swischtow als Tagesausflug einplanen, wer die Donau entlang reist, bleibt eine Nacht. Die Wege in der Stadt sind kurz: Museum und Aleko-Haus erreichst du zu Fuß, nur für Nove brauchst du das Auto oder ein Taxi.
Was ist Nove und was gibt es dort zu sehen?
Nove, lateinisch Novae, war ein römisches Legionslager an der unteren Donau, wenige Kilometer östlich der heutigen Stadt an der Straße nach Russe. Es entstand im 1. Jahrhundert und blieb in römischer und frühbyzantinischer Zeit ein befestigter Hafen; die Anlage bestand vom 1. bis zum 6. Jahrhundert. Zuerst stand hier die Legio VIII Augusta, später die Legio I Italica.
Die Legio I Italica kam im Jahr 69, als Rom die Donaugrenze wegen der Lage in Dakien verstärkte, in die Provinz Moesien und blieb bis ins 5. Jahrhundert in Nove.
Im rekonstruierten Mittelteil siehst du das Lazarett des Lagers, einen kleinen Tempel und das Praetorium, den Sitz des Garnisonskommandanten. Die Rekonstruktion arbeitet mit Beton und Stahl; wer sich antike Bauten mit originalem Mauerwerk vorstellt, wird sich daran reiben, wer die Grundrisse lesen will, erkennt sie sofort.
Was haben die Grabungen ergeben?
Polnische und bulgarische Archäologen graben in Nove seit 1960. Im Jahr 2019 begann die 60. Saison in Folge, 2024 war es die 65. Beteiligt sind die Adam-Mickiewicz-Universität Posen, die Universität Warschau und das Nationale Archäologische Institut mit Museum der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften in Sofia.
Ein Höhepunkt der letzten Jahre war das Zeughaus des Lagers; bis zu diesem Fund kannte man solche Bauten nur aus Schriftquellen. Im Februar 2026 wurden neue Funde aus der Westnekropole bekannt: Bei einer Notgrabung nach dem Hinweis eines Anwohners, der beim Roden eines Baumes ein Grab entdeckt hatte, kamen fünf Bestattungen und das Bruchstück des Grabsteins eines Zenturios der Legio I Italica ans Licht.
Der Grabstein des Zenturios Gaius Valerius Verecundus war in einem Plattengrab wiederverwendet worden, ebenso die Grabsteine eines Veteranen der Legion aus Ikonion in Kleinasien, Marcus Marius Patroclus, und des Gaius Alpinius Secundus aus Köln. Die Nekropole stammt aus dem 2. und 3. Jahrhundert. Dass ein Mann aus Köln und ein anderer aus Kleinasien hier bestattet wurden, zeigt, wie weit die Soldaten der Legionen herumkamen.
Wer war Aleko Konstantinow?
Aleko Konstantinow wurde am 1. Januar 1863 in Swischtow geboren. Er ist einer der bekanntesten bulgarischen Schriftsteller und wird zudem als Begründer der bulgarischen Touristenbewegung verehrt. Das Haus-Museum gehört zu den Hundert Nationalen Touristenobjekten; es wurde 1926 eingerichtet und zeigt Leben und Werk des Schriftstellers.
Die Touristenbewegung, die er begründete, führte die Bulgaren in die Berge; mehr zu den Bergen bei Sofia findest du auf der Seite Witoscha. Das Museum liegt in der Stadt und lässt sich mit einem Spaziergang durch die Altstadt verbinden.
Sein bekanntestes Werk ist die Satire über Baj Ganju, die Ende des 19. Jahrhunderts erschien und die Figur eines bulgarischen Emporkömmlings zeichnet, der durch Europa reist und sich überall blamiert. Der Name Baj Ganju ist im Bulgarischen zum Begriff geworden. Wer Konstantinow in Swischtow besucht, lernt damit einen Autor kennen, der sein Land ebenso liebte, wie er es verspottete, und der zugleich dafür sorgte, dass die Bulgaren ihre Berge entdeckten.
Was ist in Swischtow zum ersten Mal in Bulgarien entstanden?
Im 19. Jahrhundert war Swischtow ein Ort vieler bulgarischer Erstleistungen: die erste weltliche Schule, der erste Kindergarten, das erste Lesehaus (Tschitalischte), die erste Berufsschule, die erste Druckerei und der erste mehrstimmige Chor.
Einen größeren Zusammenhang bietet die Seite zur Nationalen Wiedergeburt. Wer Swischtow besucht, sieht die Wiedergeburt nicht in Museen, sondern an Straßen und Häusern. Ergänzend zeigt das Museum die Ethnographische und Archäologische Ausstellung zum Durchzug der russischen Truppen 1877.
Welche Rolle spielte Swischtow in der europäischen Geschichte?
Am 4. August 1791 wurde in Swischtow der Frieden zwischen Österreich und dem Osmanischen Reich unterzeichnet. Er beendete den letzten Krieg der beiden Reiche, der seit 1788 geführt worden war. Kaiser Leopold II. wollte den Türkenkrieg schnell beenden, um sich inneren Reformen zu widmen. Für die christliche Bevölkerung des Balkans brachte der Frieden Zusagen: Er und der spätere Frieden von Jassy sicherten den Serben Rechte zu und sahen vor, die Janitscharen aus dem Paschalik Belgrad zu entfernen; eingehalten wurden diese Bestimmungen nur unvollständig. Mit dem Rückzug Österreichs geriet Russland in Schwierigkeiten, das mit dem Osmanischen Reich weiter im Krieg stand; der Frieden mit Russland wurde 1792 in Jassy geschlossen.
Im Juni 1877, zu Beginn des russisch-osmanischen Krieges, überquerten russische Truppen bei Swischtow die Donau. Auf der rumänischen Seite liegt gegenüber der Ort Simnitza, nach dem die Schlacht bei Simnitza benannt ist. Die Truppen setzten in Booten über und besetzten die Stadt. Die Hintergründe dieser Epoche beschreibt die Seite zur Osmanischen Herrschaft.
Beide Ereignisse machen Swischtow zu einem Ort, an dem Geschichte nicht nur in Bulgarien, sondern in Europa geschrieben wurde. Wer die Stadt besucht, steht an einem Ort, den Diplomaten und Generäle kannten.
Wie baust du Swischtow in eine Donauroute ein?
Eine Donauroute reiht die Grenzorte Widin, Lom, Swischtow, Russe, Tutrakan und Silistra aneinander. Swischtow eignet sich für eine Übernachtung zwischen dem Westen und Russe, weil Nove, Museum und Aleko-Haus an einem halben Tag zu schaffen sind. Mit Zeit für das Donauufer rechnest du einen ganzen Tag.
Wer mit Kindern reist, plant Nove zuerst ein, denn die rekonstruierten Gebäude sind anschaulicher als das Museum.
Wo liegt Swischtow?
Am rechten Donauufer in Nordbulgarien, rund 250 Kilometer nordöstlich von Sofia, gegenüber der rumänischen Seite.
Was ist Nove bei Swischtow?
Ein römisches Legionslager des 1. bis 6. Jahrhunderts, in dem zuerst die Legio VIII Augusta und später die Legio I Italica standen. Es liegt wenige Kilometer östlich der Stadt.
Wann wurde der Frieden von Swischtow geschlossen?
Am 4. August 1791 zwischen Österreich und dem Osmanischen Reich. In älteren westlichen Texten heißt der Ort Sistova.
Wer war Aleko Konstantinow?
Ein bulgarischer Schriftsteller, geboren am 1. Januar 1863 in Swischtow, und Begründer der bulgarischen Touristenbewegung. Sein Haus-Museum in der Stadt besteht seit 1926.
