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Schumen

Schumen

Schumen liegt im Nordosten Bulgariens zwischen Warna und Russe und verbindet Monumente, Festungsruinen und osmanisches Erbe. Auf einem Hügel erinnert das gewaltige Denkmal der Gründer des bulgarischen Staates an das Erste Reich, die Festung zeugt von mehreren Epochen, und das Bier der Stadt ist landesweit bekannt. Madara und Preslaw sind nah.

Schumen wird oft unterschätzt. Wer von Warna nach Russe oder Sofia fährt, sieht die Stadt meist nur als Punkt auf der Karte. Dabei bietet sie ein dichtes Programm aus Geschichte, Architektur und Natur: ein riesiges, von Weitem sichtbares Denkmal, eine Festung auf einem Felsplateau, eine der schönsten osmanischen Moscheen des Balkans und ein Naturpark direkt vor der Stadtgrenze.
Zugleich liegt die Stadt mitten im Kernland des Ersten Bulgarenreiches. Nur wenige Kilometer entfernt liegen die alten Hauptstädte Pliska und Preslaw sowie das Felsrelief des Madara-Reiters, das zum UNESCO-Welterbe zählt. Wer diese Orte besuchen möchte, tut gut daran, Schumen als Standort zu wählen.

Dieser Ratgeber führt dich durch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, erklärt die Bedeutung des Denkmals, zeigt dir die Festung und die Moschee, verrät, was die Brauereistadt ausmacht, und stellt die Ausflugsziele in der Umgebung vor.

LageNordostbulgarien, am Rand des Schumener Plateaus
Einwohnerrund 70.000
WahrzeichenDenkmal der Gründer des bulgarischen Staates
MoscheeTombul-Moschee (18. Jahrhundert), größte osmanische Moschee Bulgariens
FestungSchumener Festung mit Spuren von Thrakern bis zum Mittelalter
BierSchumensko, traditionsreiche Brauerei der Stadt
Nahe ZieleMadara-Reiter, Preslaw, Pliska

Was ist das Denkmal der Gründer des bulgarischen Staates?

Auf einem Hügel oberhalb der Stadt erhebt sich ein monumentales Ensemble aus Beton, das 1981 zum 1.300-jährigen Jubiläum des bulgarischen Staates errichtet wurde. Riesige, kantig stilisierte Figuren stellen die Herrscher des Ersten Bulgarenreiches dar, darunter Khan Asparuch, der 681 den Staat gründete, und weitere Herrscher der frühen Jahrhunderte. Die Skulpturen scheinen wie eine Felswand aus dem Hang zu wachsen und sind schon aus großer Entfernung zu sehen. Eine lange Treppe führt hinauf, und vom Plateau aus öffnet sich ein weiter Blick über Stadt und Ebene. Der Aufstieg ist auch bei Sommerhitze machbar, wenn du Wasser mitnimmst. Wer die dahinterstehende Geschichte verstehen möchte, findet sie in unserem Beitrag zum Ersten Bulgarenreich.

Was bietet die Festung von Schumen?

Die Schumener Festung liegt auf einem Felsplateau am Rand der Stadt. Die Anlage ist keine perfekt erhaltene Burg, sondern eine Ruine, die Spuren mehrerer Epochen zeigt: Schon in der Antike und in der Spätantike nutzten Menschen den Platz, im Mittelalter wurde er zu einer wichtigen Festung des Ersten und später des Zweiten Bulgarenreiches. Die Mauern, Fundamente und Türme sind teils rekonstruiert, zwischen den Resten liegen Wiesen und Wald. Informationstafeln erklären die Epochen, und im Sommer finden gelegentlich Veranstaltungen und Mittelalter-Darstellungen statt. Der Besuch lohnt sich weniger wegen spektakulärer Bauten als wegen der Atmosphäre und der Aussicht. Plane eineinhalb bis zwei Stunden ein, trage festes Schuhwerk und achte auf lose Steine.

Warum ist die Tombul-Moschee sehenswert?

Die Tombul-Moschee, auch Scherif-Halil-Pascha-Moschee genannt, stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und ist die größte erhaltene osmanische Moschee in Bulgarien. Ihr großer, grau gedeckter Kuppelbau mit schlankem Minarett prägt das Stadtbild. Im Inneren beeindrucken Wandmalereien mit Pflanzenmotiven und Kalligrafien, die den Raum hell und weit erscheinen lassen. Zur Anlage gehören ein Hof mit Brunnen, ein Kolonnadengang und frühere Schulräume. Als Besucher solltest du angemessen gekleidet sein, Schuhe ausziehen und Gebetszeiten respektieren. Die Moschee zeigt, wie eng bulgarische und osmanische Geschichte verwoben sind; mehr zu dieser Epoche findest du in unserem Beitrag zur osmanischen Herrschaft.

Das Denkmal der Gründer des bulgarischen Staates erhebt sich über Schumen
Das Denkmal zum 1.300-jährigen Staatsjubiläum ist von der ganzen Stadt aus zu sehen.

Was ist das Besondere an Schumener Bier?

Die Stadt ist in ganz Bulgarien für ihr Bier bekannt. Die Brauerei Schumensko wurde im späten 19. Jahrhundert gegründet und zählt zu den ältesten des Landes. Das Bier, ein klassisches helles Lagerbier, gehört zu den bekanntesten bulgarischen Marken. Besucher können es in Gaststätten und Biergärten probieren, oft zu deftigen Speisen wie Kebabtscheta, Grillplatten und Salaten. Bulgarisches Bier ist preiswert, und in Schumen schmeckt es oft besonders frisch. Mehr zur Getränkekultur des Landes erfährst du in unserem Beitrag zu Rakija, Bier und typischen Getränken. Wenn du abends durch das Zentrum gehst, findest du am Boulevard mehrere Lokale mit Terrassen, die zum Verweilen einladen.

Welche Museen und Gedenkstätten gibt es in der Stadt?

Das Regionalmuseum zeigt archäologische Funde der Gegend, von thrakischen Objekten bis zu mittelalterlichen Ausgrabungen. Im Stadtzentrum steht das Haus, in dem der ungarische Revolutionär Lajos Kossuth nach 1849 im Exil lebte; heute informiert eine Ausstellung darüber. Der Uhrturm, die Kirchen und mehrere Parks gliedern das Zentrum. Gleich neben dem Hauptboulevard liegt ein breiter Fußgängerbereich mit Cafés, Läden und Skulpturen. Die Stadt wirkt weniger touristisch als Warna oder Sofia, dafür authentisch und entspannt. Auch der Naturpark Schumener Plateau grenzt unmittelbar an die Stadt und lädt zu Spaziergängen und Wanderungen ein.

Welche Ausflüge lohnen sich ab Schumen?

Die Nähe zu den Zentren des Ersten Bulgarenreiches macht Schumen zum idealen Standort. Rund 15 Kilometer östlich liegt das Felsrelief des Madara-Reiters, das du in unserem Beitrag zum Madara-Reiter ausführlich vorgestellt findest. Etwa 20 Kilometer südwestlich liegt Weliki Preslaw, die zweite Hauptstadt des Ersten Reiches, mit Ausgrabungen und einem Museum. Pliska, die erste Hauptstadt, erreichst du in einer halben Stunde. Wer die Region im Zusammenhang erleben möchte, kann alle drei Orte an einem Tag besuchen, sofern er früh startet. An der Küste schließt sich Warna in rund anderthalb Stunden an. Auch die Welterbestätten des Landes sind in unserem Überblick zum UNESCO-Welterbe aufgelistet.

Was erwartet dich im Naturpark Schumener Plateau?

Unmittelbar hinter der Stadt beginnt der Naturpark Schumener Plateau, ein Karstplateau mit Laubwäldern, Felsen, Wiesen und Aussichtskanten. Markierte Wege führen von Schumen aus durch Eichen- und Buchenwald, vorbei an Kalksteinformationen und kleinen Lichtungen. Im Frühling blühen Orchideen und Wildblumen, im Herbst färbt sich das Laub. Die Wege eignen sich für Spaziergänge ebenso wie für längere Wanderungen, und Mountainbiker finden Waldstraßen und Pfade. Das Plateau ist zudem Lebensraum für Greifvögel und Wild, sodass Naturfreunde mit Fernglas auf ihre Kosten kommen. Wichtig: Karte oder App mitnehmen, Wasser einplanen und die Wege nicht verlassen, da es Abbruchkanten gibt. Ein Spaziergang vom Stadtrand bis zur Festung und zum Denkmal bietet sich als Halbtagestour an. Weitere Wandertipps für das ganze Land bietet unser Überblick zu Wandern und Trekking.

Welche Rolle spielte Schumen in der Geschichte?

Schumen liegt in einem Gebiet, das seit der Antike besiedelt ist. In der Spätantike und im frühen Mittelalter verlief hier eine wichtige Verbindung zwischen Donau und Küste. Nach der Gründung des bulgarischen Staates gehörte die Gegend zum Kernland, und die benachbarten Residenzen Pliska und Preslaw machten den Raum zum politischen Zentrum. Im Mittelalter schützte die Festung die Region, später spielte die Stadt in der osmanischen Zeit eine wichtige Rolle als Verwaltungs- und Garnisonsort. Im 19. Jahrhundert wurde sie zum Schauplatz von Bildung und Wiedergeburt: Hier eröffnete eine der ersten Schulen neuen Typs, und Kulturvereine förderten das bulgarische Selbstbewusstsein. Im 20. Jahrhundert wuchs die Stadt als Industriezentrum, zugleich setzte man auf Denkmäler, die die Geschichte sichtbar machten.

Was gibt es in Weliki Preslaw zu sehen?

Weliki Preslaw, die zweite Hauptstadt des Ersten Reiches, liegt rund 20 Kilometer von Schumen entfernt. Zar Simeon ließ die Stadt im frühen 10. Jahrhundert prächtig ausbauen, und sie galt als eine der glanzvollsten Städte Europas. Heute sind Teile der Palastanlage, Kirchenfundamente und Mauern erhalten. Besonders bekannt sind Funde von verzierten Keramikplatten mit farbigen Motiven, die das Archäologische Museum vor Ort ausstellt. Der Ort ist ruhig, ländlich und gut für einen Halbtagesbesuch.

Wie kommst du nach Schumen?

Schumen liegt an wichtigen Straßen- und Bahnverbindungen zwischen Warna, Russe, Burgas und Sofia. Von Warna sind es rund 90 Kilometer, die Fahrt dauert etwa anderthalb Stunden. Aus Sofia brauchst du gut vier Stunden mit dem Auto. Es gibt Bus- und Zugverbindungen, die jedoch nicht immer schnell sind. Ein Mietwagen ist vor allem sinnvoll, wenn du Madara, Preslaw und Pliska kombinieren möchtest. Im Stadtzentrum ist Parken meist problemlos, die Preise für Hotels liegen im Mittel unter dem Landesdurchschnitt der Küstenorte. Als Basis für eine mehrtägige Tour durch Nordostbulgarien ist die Stadt gut geeignet.

Was isst du in Schumen?

In den Restaurants der Stadt dominiert deftige Kost: Grillgerichte, Sachen aus dem Tontopf, Kebabtscheta, Gyuvech, Suppen und Salate aus lokalem Gemüse. Wie im Rest der Region sind Milchprodukte wie Joghurt und Weißkäse wichtig. Abends sitzen Einheimische in Gaststätten rund um die Fußgängerzone bei einem Bier. Preislich bleibt es günstig, auch wenn Gäste in zentrumsnahen Lokalen etwas mehr zahlen. Wer am Wochenende unterwegs ist, reserviert besser, weil Familien und Gruppen die Tische füllen.

Wie viel Zeit sollte man für Schumen einplanen?

Für Denkmal, Festung und Moschee reicht ein halber bis ganzer Tag. Mit Madara und Preslaw bietet sich ein zweiter Tag an.

Kann man das Denkmal zu Fuß erreichen?

Ja. Eine Treppe führt von der Stadt hinauf, außerdem gibt es eine Straße. Der Aufstieg dauert je nach Weg zwischen 20 und 45 Minuten.

Ist die Tombul-Moschee für Besucher offen?

Ja, außerhalb der Gebetszeiten. Du solltest angemessen gekleidet sein und die Schuhe ausziehen. Öffnungszeiten können variieren.

Wie weit ist es nach Madara?

Rund 15 Kilometer, etwa 20 Minuten mit dem Auto. Dort liegt das UNESCO-Felsrelief des Madara-Reiters.

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