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Scherawna

Scherawna

Scherawna liegt im Ostbalkan zwölf Kilometer von Kotel entfernt und ist ein Architekturreservat mit mehr als zweihundert Holzhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Im Dorf wurde der Schriftsteller Jordan Jowkow geboren, und jedes Jahr im August kommen Tausende zum Festival der Volkstracht.

Wer durch Scherawna geht, hat das Gefühl, durch eine Filmkulisse zu laufen, die nie abgebaut wurde. Enge Gassen aus Kopfsteinpflaster, Häuser mit vorspringenden Obergeschossen, geschnitzte Türen, steinerne Hofmauern und überall Holz: Das Dorf ist ein Architekturreservat von nationaler Bedeutung, und seine Bauten stammen aus der Zeit der Nationalen Wiedergeburt. Die Gegend am Fuß des Ostbalkans war damals für Viehzucht und Handel bekannt, und die Hirten und Händler ließen sich Häuser bauen, die zu den prächtigsten des Landes zählten.

Im Unterschied zu Etar bei Gabrowo ist Scherawna kein nachgebautes Freilichtmuseum, sondern ein bewohntes Dorf. In den Häusern leben Menschen, einige sind Museen, andere Gästehäuser oder Cafés. Hier wurde der Erzähler Jordan Jowkow geboren, der die Landschaft in seinen Geschichten verewigt hat. Dieser Ratgeber zeigt dir, was du im Dorf sehen kannst, wann das berühmte Festival der Volkstracht stattfindet, wie du ins Dorf kommst und wo du im Umland weitere Ziele findest.

LageOstbalkan, rund 12 km von Kotel
Bautenmehr als 200 Holzhäuser, Architekturreservat
Zeit18. und 19. Jahrhundert, Wiedergeburtszeit
SchriftstellerJordan Jowkow, Geburtshaus als Museum seit 1957
FestivalVolkstracht, seit 2008, im August
EntfernungenSliwen rund 50 km, Burgas rund 110 km
ZufahrtStraße von Kotel oder Sliwen, ohne Auto schwierig

Was macht Scherawna zum Architekturreservat?

Das Dorf wurde unter Schutz gestellt, weil sich hier ein ganzes Ensemble der Wiedergeburtsarchitektur erhalten hat. Die Quellen sprechen von mehr als 200 Holzhäusern, andere zählen über 170 Kulturdenkmäler, je nach Zählweise. Typisch sind zwei Geschosse: unten aus Stein gemauert, oben aus Holz mit Erker, der über die Gasse ragt. Das Dach ist mit Ziegeln gedeckt, im Inneren findest du bemalte Decken, Einbauschränke und offene Feuerstellen. Die Bewohner waren vor allem Viehzüchter, die mit ihren Herden weit zogen, und Händler, die ihren Wohlstand in Häuser mit repräsentativen Fassaden investierten. Heute stehen viele Gebäude unter Denkmalschutz, und Renovierungen müssen sich an alte Techniken halten. Du kannst stundenlang durch die Gassen spazieren, ohne ein modernes Gebäude zu sehen. Beste Fotolichtzeiten sind der frühe Morgen und der späte Nachmittag, wenn das Holz warm leuchtet. Achte beim Gehen auf die Details: Die Erker ruhen auf kräftigen Holzstützen, die Haustüren sind mit Eisenbeschlägen versehen, und viele Höfe öffnen sich zur Gasse mit einem großen Tor. Die Pflasterung ist uneben, trage deshalb feste Schuhe, und rechne mit Steigungen, denn das Dorf liegt an einem Hang. Von mehreren Stellen blickst du über die Dächer in das Tal und auf die bewaldeten Berge dahinter.

Wer war Jordan Jowkow und was zeigt sein Haus?

Jordan Jowkow (1880 bis 1937) gilt als einer der wichtigsten bulgarischen Erzähler des 20. Jahrhunderts. Er wurde in Scherawna geboren, und sein Geburtshaus ist seit 1957 ein Museum. Es liegt am Platz Golemo Bardo, ist ein schlichtes eingeschossiges Gebäude mit zwei Zimmern und einem kleinen Vorraum. Gerade diese Einfachheit macht den Besuch eindrucksvoll, denn sie zeigt, wie bescheiden das Leben vieler Hirtenfamilien war. Jowkows Erzählungen spielen oft in der Landschaft zwischen Balkan und Schwarzem Meer und zeichnen das Leben einfacher Menschen. Daneben kannst du weitere Häuser besuchen, die als Museen eingerichtet sind, etwa das Haus von Sawa Filaretow und das Haus von Rusi Tschorbadschi. Sie zeigen Wohnräume, Möbel und Trachten wohlhabender Familien. Die Einrichtung ist bewusst original gehalten: Du siehst Truhen, Webstühle, Kupfergeschirr, gewebte Decken und die niedrigen Sitzbänke, auf denen die Familien am Winterabend zusammenrückten. In manchen Häusern erklärt dir eine Aufsicht die Räume, wenn du fragst. Plane für die Museumshäuser zwei bis drei Stunden ein und erkundige dich vor Ort nach den Öffnungszeiten, die sich nach Saison richten.

Wann findet das Festival der Volkstracht statt?

Das Festival der Volkstracht in Scherawna wurde 2008 auf Initiative des Choreografen Christo Dimitrow gegründet und gehört zu den größten Volkskunstveranstaltungen des Landes. Es findet im Gebiet Dobromiriza bei Scherawna statt. Teilnehmer erscheinen in originalen Trachten aus allen Regionen des Landes, und Trachtenwettbewerbe prüfen die Echtheit. Zu den Programmpunkten gehören Auftritte von Folkloreensembles, Volkstänze, Feuertanz und traditionelles Ringen. Eröffnet wird das Fest mit einem Umzug von mehr als dreißig Kaba-Dudelsäcken. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur BTA findet das Festival traditionell am ersten Samstag und Sonntag nach Mariä Himmelfahrt am 15. August statt, die Ausgabe 2025 lief vom 22. bis 24. August. Für 2026 ist keine offizielle Ankündigung belegt. Nach der genannten Regel wäre das Wochenende 22. und 23. August zu erwarten, verbindlich ist das aber nicht. Prüfe den Termin beim Veranstalter, bevor du buchst. Die Teilnahme ist kostenpflichtig, und es gibt Regeln zu Tracht und Kleidung.

Bestickte bulgarische Volkstrachten auf Holzbügeln vor der Holzwand eines Hauses in Scherawna
Beim Festival der Volkstracht sind originale Trachten aus ganz Bulgarien zu sehen.

Welche Rolle spielen Tracht und Brauchtum?

Das Festival ist mehr als eine Show. Es soll zeigen, wie vielfältig die bulgarischen Trachten sind, und viele Teilnehmer sparen das ganze Jahr, um ein originales Kleidungsstück zu erwerben. Der Wettbewerb sorgt dafür, dass historisches Handwerk wie Weberei, Stickerei und Silberschmiedekunst weitergegeben wird. Gleichzeitig bildet das Festival einen Rahmen für Sitten, die sonst nur in abgelegenen Dörfern überliefert werden. Wer sich dafür interessiert, findet im Beitrag zu Festen und Brauchtum weitere Anlässe im Jahreskreis. Rechne damit, dass Zimmer im Dorf und in Kotel für das Festivalwochenende weit im Voraus ausgebucht sind. Plane zudem Zeit für die Anreise ein, weil sich in der Zufahrt Staus bilden können. Zuschauer sollten sich respektvoll verhalten: Nach den Festivalregeln sind Telefone, Kameras und Plastik für Teilnehmer in der Tracht unerwünscht, und nach Berichten ist der Sonntag der einzige Tag, an dem man ohne Tracht und kostenlos hineinkommt. Prüfe auch diese Regeln vor Ort.

Was liegt rund um Scherawna?

In der Nähe liegt die Kleinstadt Kotel, die im 19. Jahrhundert ein Zentrum der Wiedergeburtsbewegung war; dort erinnert ein Pantheon an den Publizisten und Revolutionär Georgi Rakowski. Das Dorf Medwen, rund 16 Kilometer entfernt, besitzt den Naturpool „Blauer Pool“. Etwa 50 Kilometer südlich liegt Sliwen mit den Blauen Felsen, an der Küste erreichst du in etwa 110 Kilometern Entfernung Burgas. Mehr über die Epoche, in der die Häuser entstanden, erfährst du im Beitrag zur Nationalen Wiedergeburt. Wanderwege führen durch Buchenwälder und Wiesen. Kombiniere Scherawna mit einem Tag in den Bergen und einem Abend in Kotel. Die Gegend ist waldreich, im Herbst lohnen sich Wanderungen zwischen buntem Laub, und im Frühling blühen die Wiesen rund um die Hirtenweiden. Frage in den Gästehäusern nach markierten Wegen, denn viele Pfade führen direkt vom Dorf hinauf zu Aussichtspunkten.

Was isst du im Dorf?

In den Gaststätten von Scherawna kommt vor allem Hausmannskost auf den Tisch, wie sie in den Dörfern am Balkan üblich ist. Häufig stehen Lammgerichte, Eintöpfe, gegrilltes Fleisch, frisches Gemüse, Schafskäse und Joghurt auf der Karte, dazu hausgebackenes Brot und Kuchen mit Honig. Viele Gastgeber verwenden Zutaten aus der Umgebung und kochen nach Rezepten der Familie. Vergleiche gern verschiedene Häuser und probiere zu jedem Essen die regionalen Getränke, etwa einen Kräutertee oder ein Glas Rakija, wenn du magst. Mehr zu den Spezialitäten des Landes erfährst du später beim Weiterreisen. Preise sind niedrig, oft zahlst du für ein ordentliches Mittagessen nur wenige Euro, doch an Festivalwochenenden steigen die Preise. Reserviere in dieser Zeit rechtzeitig.

Wie kommst du nach Scherawna und wo übernachtest du?

Das Dorf liegt abseits der Hauptstraßen am Rand des Balkangebirges. Von Kotel sind es zwölf Kilometer, von Sliwen etwa fünfzig, von Burgas rund 110 und von Sofia rund 330 Kilometer. Ohne Auto ist die Anreise mühsam, Busse verkehren nur selten zwischen Kotel und dem Dorf. Mit dem Mietwagen planst du entspannt: Die Straßen sind kurvig, aber gut befahrbar, nur im Winter solltest du dich über Schnee informieren. Zum Übernachten gibt es Gästehäuser in restaurierten Altbauten, Familienpensionen und ein paar Hotels. Wer das Dorf in Ruhe erleben möchte, bleibt eine Nacht, denn abends, wenn die Tagesgäste gefahren sind, wirkt der Ort am schönsten. Preise für Zimmer und Essen sind moderat und werden seit dem 1. Januar 2026 in Euro berechnet. Am angenehmsten ist es im späten Frühling und im Frühherbst.

Wann findet das Festival der Volkstracht statt?

Traditionell am ersten Samstag und Sonntag nach Mariä Himmelfahrt, im August. 2025 war es vom 22. bis 24. August. Der Termin 2026 sollte vorab beim Veranstalter geprüft werden.

Ist Scherawna ein Freilichtmuseum?

Nein. Das Dorf ist bewohnt und steht als Architekturreservat unter Denkmalschutz. Einzelne Häuser sind Museen, viele andere Gästehäuser oder Cafés.

Wie viele Tage brauchst du für Scherawna?

Ein halber Tag reicht für die Gassen und die Museumshäuser. Wer das Dorf am Abend erleben und die Umgebung erkunden möchte, plant eine Übernachtung ein.

Kommt man ohne Auto nach Scherawna?

Das ist schwierig. Busse fahren nur selten von Kotel ins Dorf. Mit dem Mietwagen oder Taxi ab Kotel oder Sliwen bist du flexibel.

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