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Samokow

Samokow

Samokow liegt rund 55 Kilometer südlich von Sofia im Tal zwischen Witoscha, Rila und Sredna Gora. Die Stadt war im Mittelalter ein Zentrum des Eisenhandwerks und im 19. Jahrhundert Heimat der berühmten Samokower Malschule. Heute dient sie als Tor zum Skiort Borowez und zum Rila-Gebirge.

Die Hauptstraße von Sofia in den Süden führt über die Ebene bei Pasarel und klettert dann in ein breites Tal, in dem Samokow liegt. Die meisten Reisende fahren auf dem Weg nach Borowez durch, bleiben im Auto sitzen und verpassen eine der unterschätzten Städte des Landes. Hinter dem Verkehrsring verbirgt sich ein Zentrum mit Kirchen, einer Moschee mit farbigen Wandmalereien, einem Museum und Gassen, in denen die Zeit der Wiedergeburt noch zu spüren ist. Samokow war über Jahrhunderte ein Eisen- und Kunsthandwerkszentrum, das Künstler hervorbrachte, die bis in die Klöster des ganzen Landes ausstrahlten.

Die Stadt hat rund 24.000 Einwohner und wirkt entspannt. Von hier aus sind es nur etwa zehn Kilometer bis zum Skiort Borowez, und das Rila-Gebirge liegt vor der Tür. Wer Kultur und Berge verbinden möchte, hat in Samokow die ideale Basis: morgens ein Museum, mittags eine Wanderung, abends ein Essen im Städtchen. Dieser Ratgeber erklärt dir den Namen der Stadt, die Samokower Malschule, die wichtigsten Gebäude und die Verbindung zu Borowez und dem Rila-Gebirge.

LageSamokower Becken zwischen Witoscha, Rila und Sredna Gora
Einwohnerrund 24.000
Entfernung Sofiarund 55 km südlich, je nach Route 50 bis 60 km
Bekannt fürEisenhandwerk, Samokower Malschule, Moschee Bajrakli
Skiort Borowezrund 10 km entfernt, Rila-Gebirge
Historisches MuseumSammlung seit 1930, öffentlich seit 1936
Wichtigste MalerChristo Dimitrow und seine Söhne Dimitar und Zahari Zograf

Woher kommt der Name Samokow?

Der Name stammt von einem technischen Wunderwerk. Das bulgarische Wort „samokov“ bezeichnet einen selbsttätigen Hammer, der mit Wasserkraft angetrieben wird und Eisen schmiedet. Die Handwerker der Gegend lernten, solche Maschinen zu bauen, die das Eisen widerstandsfähiger machten, und ihr Ruf verbreitete sich weit. In der Stadt wuchs im Mittelalter ein Zentrum der Eisenverarbeitung, vermutlich unter Mithilfe von Bergleuten, die in das Bulgarische Reich gekommen waren. Eine erste Erwähnung wird für das Jahr 1455 genannt, osmanische Register führen die Stadt 1477. Im Historischen Museum stehen riesige Hammerköpfe und ein Modell, im örtlichen Park gibt es die Rekonstruktion einer solchen Schmiede, und am Ortseingang aus Richtung Borowez steht ein funktionierendes Modell an der Stelle, an der vor etwa hundert Jahren noch ein echter Wasserhammer arbeitete. So kannst du dir das Prinzip anschaulich erklären lassen. Der Wohlstand der Handwerker bildete die Grundlage für die Kunst, die später in Samokow entstand.

Was war die Samokower Malschule?

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Samokow zu einem der bedeutendsten Kunstzentren des Landes. Die Samokower Malschule, auch Ikonenmalerschule genannt, bildete Ikonenmaler, Freskenkünstler und Buchmaler aus, die in Kirchen und Klöstern in ganz Bulgarien arbeiteten. Als Begründer gilt Christo Dimitrow (1745 bis 1819), dessen Söhne Dimitar (1796 bis 1860) und Zahari Zograf (1810 bis 1853) die Tradition weiterführten. Zahari Zograf gilt als Pionier der modernen bulgarischen Malerei und schuf Wandbilder in der Hauptkirche des Rila-Klosters, wo seine Fresken bis heute Besucher beeindrucken. Die Schule verband byzantinische Bildtradition mit Einflüssen aus Westeuropa und öffnete die kirchliche Malerei für neue Motive. Auch in Handschriften verwendeten die Maler Zinnoberrot für Titel und verzierten Initialen und Miniaturen. Die Malerfamilien standen im Zusammenhang von Bildung, Kunst und Nationalbewegung der Wiedergeburtszeit, in der Handwerker, Lehrer und Künstler gemeinsam an einer bulgarischen Identität arbeiteten.

Welche Kirchen und welche Moschee solltest du sehen?

Die Bischofskirche Mariä Entschlafung, auch Mitropolitenkirche genannt, wurde 1712 als einschiffige Kirche mit einem Altar erbaut. Wegen eines Bauverbots für orthodoxe Kirchen musste sie niedrig und teilweise in den Boden eingelassen bleiben, später wurde sie erhöht. Dreieinhalb Jahrhunderte lang war sie das geistliche Zentrum des Bistums, hier entstand auch die Idee zur Theologischen Schule von Samokow. Das zweite große Gebäude ist die Bajrakli-Moschee, die im Innern von Samokower Wandmalern des 19. Jahrhunderts ausgemalt wurde. Dazu gehören Ivan Ikonopisez, Christo Jowewitsch und Kosta Waljow. Dass bulgarische Künstler ein muslimisches Gotteshaus ausmalten, macht den Bau zu einer Besonderheit. In den 1970er-Jahren wurde sie restauriert. Interessant ist ein Detail: Im südöstlichen Eck zeichnet sich ein Grundriss ab, der dem des Rila-Klosters ähnelt. Beim Betreten der Kirche fällt dir der geschnitzte Holzaltar auf, und im Hof erklären Schilder die wechselvolle Geschichte des Gotteshauses. Die Gebäude liegen nahe beieinander und lassen sich in einer halben Stunde ablaufen, mit Besichtigung brauchst du länger.

Das Innere der Bajrakli-Moschee in Samokow mit farbigen Wandmalereien
In der Bajrakli-Moschee haben Samokower Maler im 19. Jahrhundert ungewöhnliche Wandbilder geschaffen.

Was zeigt das Historische Museum?

Das Historische Museum von Samokow begann 1930 mit dem Sammeln seiner Bestände und öffnete 1936 für die Öffentlichkeit. Es gehört regelmäßig zu den beliebtesten Museen des Landes. Im zweiten Stock wird die Malschule gezeigt, mit Werken von Christo Dimitrow und seinen Söhnen Dimitar und Zahari. Du siehst persönliche Gegenstände Zahari Zografs, Ikonen, Gemälde und Dokumente. Weitere Räume erzählen die Stadtgeschichte, das Eisenhandwerk und die Wiedergeburtszeit; hier stehen auch die Hammerköpfe, die dem Ort seinen Namen gaben. Vor dem Gebäude steht ein Denkmal für Zahari Zograf. Wer Zeit hat, vergleicht die Ikonen mit den Wandbildern in Kirche und Moschee und erkennt, wie sich die Handschrift der Maler von Generation zu Generation veränderte. Rechne mit einer Stunde und frage nach den aktuellen Öffnungszeiten, da sie sich je nach Saison ändern können. Eintritt und Führungen kosten wenig, gezahlt wird in Euro, denn Bulgarien hat seit dem 1. Januar 2026 den Euro eingeführt.

Wie hängen Samokow und Borowez zusammen?

Etwa zehn Kilometer südlich der Stadt beginnt das Rila-Gebirge mit dem Wintersportort Borowez. Der Ort entstand als Sommerfrische in den Kiefernwäldern und wurde später zu einem der bekanntesten Skigebiete Bulgariens. Samokow ist die Siedlung für die Versorgung und Unterkunft: Wer nicht im Skiort wohnen möchte, findet hier günstigere Zimmer und lokale Gaststätten. Im Winter pendeln Busse zwischen den beiden Orten. Aus der Stadt führen außerdem Straßen und Wanderwege zu Berghütten und Seen. Ein klassisches Ziel sind die Sieben Rila-Seen, die du im Beitrag näher kennenlernst. Auch im Sommer ist die Gegend ein Ausgangspunkt für Wanderungen zu den höchsten Gipfeln des Balkans. Wer auf eigene Faust in den Bergen unterwegs ist, informiert sich vorab über Wetter und Wegverhältnisse, denn die Bedingungen im Hochgebirge können sich rasch ändern.

Was kannst du rund um Samokow unternehmen?

Das Tal ist waldreich und hat einige Stauseen, Spazierwege und Sommerfrischen, die vor allem an Wochenenden von Sofiotern besucht werden. Nach Sofia brauchst du etwa eine Stunde, dort erwarten dich Museen, Kathedralen und Cafés. In der entgegengesetzten Richtung erreichst du das Rila-Kloster in etwa ein bis anderthalb Stunden Fahrt, je nach Route. Radfahrer schätzen die ruhigen Nebenstraßen, Pilzsammler die Herbstwälder. Wer im Winter anreist, findet am Wochenende viele Skifahrer im Ort, unter der Woche ist es ruhiger. Eine Tagestour mit Museum, Mittagessen und Spaziergang im Park ist ein gelungener Auftakt für jede Rila-Reise. Wer die Hochgebirgsregion systematisch erkunden möchte, liest vorab den Beitrag zum Rila-Gebirge und plant Samokow als Etappenort ein. Auf dem Markt im Zentrum bekommst du Obst, Käse und Honig aus dem Umland, und in den Bäckereien liegen frische Banitza und Kuchen bereit, die du für die Weiterfahrt mitnehmen kannst.

Wie kommst du nach Samokow und wann reist du am besten?

Samokow liegt rund 55 Kilometer südlich von Sofia, je nach Messpunkt schwanken die Angaben zwischen 50 und 60 Kilometern. Mit dem Auto dauert die Fahrt bei normalem Verkehr etwa eine Stunde. Von Sofia fahren regelmäßig Busse, die Fahrt kostet wenige Euro; frage am Busbahnhof nach der aktuellen Abfahrtsstelle. Ein Flug nach Sofia ist die bequemste Anreise, den Rest bewältigst du mit Mietwagen oder Bus. Im Winter solltest du mit Schnee rechnen, Winterreifen und Schneeketten sind empfehlenswert. Die schönsten Monate sind Mai bis Oktober, wenn Wanderwege offen sind und das Wetter stabil ist, sowie Dezember bis März für Skifahrer. Übernachtungen in der Stadt sind preiswert und werden in Euro berechnet.

Was ist die Samokower Malschule?

Eine Künstlergruppe des 18. und 19. Jahrhunderts, die Ikonen, Fresken und Handschriften schuf. Bekannt sind Christo Dimitrow und seine Söhne Dimitar und Zahari Zograf, die auch im Rila-Kloster malten.

Wie weit ist Samokow von Borowez entfernt?

Der Skiort liegt etwa zehn Kilometer südlich. Mit dem Auto brauchst du rund 15 Minuten, im Winter fahren auch Busse zwischen den beiden Orten.

Lohnt sich Samokow für einen Tagesausflug von Sofia?

Ja. Mit einer Stunde Fahrzeit erreichst du Museum, Kirchen, Moschee und einen Spaziergang im Park. In Kombination mit Borowez oder dem Rila-Kloster wird daraus ein langer Tag.

Woher kommt der Name Samokow?

Er geht auf einen wassergetriebenen Hammer zurück, der Eisen schmiedete und im Bulgarischen Samokov hieß. Die Stadt war im Mittelalter ein wichtiger Eisenproduzent.

Skifahren und Wandern im Rila-Gebirge

Von Samokow ist es nicht weit zu den Pisten und Seen. Entdecke die schönsten Berg- und Skiziele des Landes.

Zu Berge, Ski & Aktiv

Weiter in die Berge geht es über Borowez oder zurück in die Hauptstadt Sofia.