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Rasgrad – Abritus, Römerstadt im Ludogorie

Rasgrad – Abritus, Römerstadt im Ludogorie

Rasgrad liegt im Ludogorie im Nordosten Bulgariens. Zwei Kilometer östlich der Stadt breitet sich das Reservat Abritus aus: eine römische Festungsstadt mit Peristylbau, Freilichtmuseum und dem größten Goldmünzschatz des 5. Jahrhunderts in Bulgarien. Hier fiel im Jahr 251 Kaiser Decius. Das thrakische Königsgrab von Sweschtari liegt in der Nähe.

Rasgrad steht auf keiner der üblichen Bulgarien-Routen, und genau das macht den Besuch reizvoll. Die Stadt liegt zwischen Donau und Schwarzmeerküste, abseits der Pauschalziele, und bewahrt auf engem Raum fast zwei Jahrtausende Geschichte: eine römische Garnisonsstadt, eine osmanische Großmoschee, ein Viertel mit Häusern der Wiedergeburtszeit und, einen Tagesausflug entfernt, ein Welterbe der Thraker.

Diese Seite erklärt, was im Reservat Abritus zu sehen ist, wie die Stadt entstand und unterging, warum 251 ein römischer Kaiser in der Nähe fiel, was die Stadt Rasgrad selbst zu bieten hat und wie du Abritus mit dem Grab von Sweschtari zu einem Tag verbindest.

LageLudogorie, Nordostbulgarien; Abritus rund 2 km östlich der Stadt an der Hauptstraße Russe–Warna
ReservatArchäologisches Reservat Abritus, rund 1.000 Dekar (etwa 100 ha), seit 1984
Römische StadtGründung als Militärlager Ende des 1. Jh.; Festung Anfang 4. Jh. mit 35 Türmen und 4 Toren
Goldschatz835 Solidi aus dem 5. Jh., rund 4 kg, der größte Goldfund der Spätantike in Bulgarien
Öffnungszeiten Reservattäglich 9.30 bis 18 Uhr
Welterbe in der NäheThrakisches Grab von Sweschtari (UNESCO, 1985), Gemeinde Isperich

Wo liegt Rasgrad und wie kommst du hin?

Rasgrad bildet das Zentrum des Ludogorie, einer Hochebene im Nordosten Bulgariens. Das Reservat Abritus liegt zwei Kilometer östlich des Zentrums, nahe der Hauptstraße von Russe nach Warna. Wer von der Donau an die Küste fährt, kommt also fast an der römischen Stadt vorbei.

Für die Anreise ist ein Mietwagen die bequemste Lösung, denn die Sehenswürdigkeiten der Umgebung liegen verstreut. Die Städte Russe an der Donau und Warna am Meer sind die beiden naheliegenden Ausgangspunkte; Hinweise zu Verleihern und Vignette findest du unter Mietwagen in Bulgarien. Auch Schumen liegt in derselben Gegend und lässt sich als Standort wählen.

Eine Auskunftsstelle gibt es in der Stadt selbst: Die Touristeninformation Rasgrad am Platz der Unabhängigkeit 2 hat montags bis freitags von 8.30 bis 12 und von 13 bis 17.30 Uhr geöffnet, Telefon +359 84 66 23 24. Sie hilft bei Führern und Eintrittsfragen für Abritus und das Umland.

Was war Abritus?

Abritus wuchs aus einem Militärlager. Ende des 1. Jahrhunderts errichteten die Römer es auf den Resten einer älteren thrakischen Siedlung. Neben dem Lager entstand eine Zivilsiedlung, die sich zu einer der größten Städte der Provinz Niedermösien entwickelte, jener römischen Provinz im Norden des heutigen Bulgarien. Die Stadt lag an einer wichtigen Straße, die Donau und Küste verband, und hatte Foren, Heiligtümer, Wasserleitung und ein geradliniges Straßennetz.

Die Bevölkerung war gemischt: Thraker, Veteranen der römischen Armee, Siedler aus Italien und Gallien, Griechen aus Kleinasien. Entsprechend vielfältig waren die Kulte. Neben der kapitolinischen Trias aus Jupiter, Juno und Minerva verehrte man Herkules, Hermes, Venus und den Thrakischen Reiter, dazu eine örtliche Göttin von Abritus. Seit dem 4. Jahrhundert war die Stadt Bischofssitz, und im 5. und 6. Jahrhundert zählte sie zu den bedeutenden christlichen Zentren der Region.

Das Ende kam in Etappen. Hunnen unter Attila plünderten die Stadt 447, Kaiser Justinian ließ die Mauern im 6. Jahrhundert wiederherstellen, doch um 586 zerstörten Awaren und Slawen die Siedlung, und sie wurde aufgegeben. Auf den Ruinen entstand am Ende des 9. oder zu Beginn des 10. Jahrhunderts eine bulgarische Festung. Die Schichten dieser späteren Zeit liegen heute neben den römischen frei und zeigen, wie lange der Platz bewohnt blieb. Mehr zur bulgarischen Zeit erfährst du auf der Seite zum Ersten Bulgarenreich.

Wie sah die Festung aus?

Die Befestigung stammt vom Beginn des 4. Jahrhunderts, aus der Zeit Konstantins des Großen. Sie umschloss rund 15 Hektar, hatte vier Tore und 35 Türme. Die Mauer war drei Meter dick und zwölf Meter hoch. Außerhalb der Mauer lag eine unbefestigte Zivilsiedlung ähnlicher Größe, sodass die bebaute Fläche insgesamt etwa 30 Hektar betrug.

Ein Teil der Anlage ist nicht zugänglich: Sechs Türme, ein Tor und ein Mauerabschnitt liegen unter einem Pharmawerk am Rand der Stadt und können nicht ausgegraben werden. Die Mauerführung im Übrigen ist vollständig erforscht, und ein Abschnitt ist gut erhalten. Beim Rundgang erkennst du, wie dicht die Türme standen und wie die Römer mit der Verteidigung rechneten: Die Festung entstand in einer Zeit, in der Goten und andere Gruppen die Donaugrenze immer wieder überschritten.

Die Stadt bestand damals schon seit gut zwei Jahrhunderten. Die Mauer schützte sie bis zur Zerstörung am Ende des 6. Jahrhunderts, und der Ausbau fällt in die Zeit nach der Schlacht von 251, die du weiter unten findest.

Was ist der Peristylkomplex?

Das größte freigelegte Gebäude ist ein Peristylkomplex mit rund 3.200 Quadratmetern. Peristyl bedeutet, dass ein rechteckiger Innenhof von Säulengängen umgeben ist. In Abritus stehen römisch-ionische Säulen an allen vier Seiten des Hofes. Der Bau war die Residenz eines hohen Beamten des Staates.

An der Südseite schließen sich beiderseits des Haupteingangs je sechs Läden an. Das heißt: Der Amtssitz öffnete sich zur Straße hin und war zugleich eine Einkaufszeile. In den östlichen und westlichen Teilen der Anlage lagen große Wirtschaftsräume. Der Komplex wurde bis zum Ende des 6. Jahrhunderts genutzt, also bis zum Untergang der Stadt.

Die Anlage macht anschaulich, wie sich das Leben einer römischen Provinzstadt in einem Gebäude bündelte: Verwaltung, Handel und Landwirtschaft. Wer andere römische Städte in Bulgarien kennt, etwa Silistra mit seinem römischen Grab oder das Lager von Nove bei Swischtow, findet in Abritus eine Ergänzung: kein Legionslager, sondern eine Stadt mit Amtssitz und Markt.

Was zeigt das Museum von Abritus?

Das archäologische Museum im Reservat ist in fünf Abteilungen gegliedert, die die Entwicklung der Gesellschaft von der Urzeit bis zum Mittelalter nachzeichnen. Sein Höhepunkt ist der Goldschatz von Abritus: 835 Solidi aus dem 5. Jahrhundert, zusammen rund vier Kilogramm schwer. Es ist der größte Goldmünzfund der Spätantike in Bulgarien. Die Münzen stammen von zehn oströmischen Kaisern und einem weströmischen. Gefunden wurde der Schatz 1971 nahe der Festungsmauer. Zu sehen sind Abbildungen und Nachbildungen; ein kleinerer Schatz von Solidi aus dem 10. Jahrhundert ergänzt die Ausstellung.

Im Freigelände steht eine Sammlung von rund 70 Inschriftendenkmälern, überwiegend aus römischer Zeit, darunter ein Opferaltar für Herkules. Die Inschriften sind griechisch und lateinisch; spätere Grabsteine aus dem 18. und 19. Jahrhundert tragen christliche, islamische und in einem Fall armenische Zeichen. So wird an einer Stelle sichtbar, wie viele Völker und Religionen über die Jahrhunderte durch diese Gegend zogen.

Das Reservat ist täglich von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet; Führer sind vor Ort, die Führungen laufen auf Bulgarisch. Im Museum werden Informationsmaterial und Souvenirs verkauft.

Was geschah 251 bei Abritus?

Im Jahr 250 überquerten Goten unter ihrem König Kniva die Donau, plünderten bis tief in den Süden der Balkanhalbinsel und zogen mit reicher Beute wieder nach Norden. Kaiser Decius stellte sie. Im Juli 251 kam es bei Abritus zur Schlacht. Kniva ließ einen Teil seiner Truppen in einem Sumpfgebiet nahe dem Fluss Beli Lom Stellung beziehen. Die Römer durchbrachen die erste Linie, gerieten aber in das Sumpfgelände und wurden eingeschlossen und aufgerieben.

Decius und sein Sohn und Mitkaiser Herennius Etruscus fielen. Es war das erste Mal, dass ein römischer Kaiser im Kampf gegen einen äußeren Feind starb. Die Leichname wurden nicht geborgen.

Die Schlacht gab der Stadt einen Platz in der Geschichte. Der Name Abritus steht für eine der schwersten Niederlagen des römischen Kaiserreichs.

Was bietet die Stadt Rasgrad selbst?

Das Zentrum wird von der Ibrahim-Pascha-Moschee bestimmt, einer der größten Moscheen auf dem Balkan. Sie entstand im 17. Jahrhundert an der Stelle eines älteren Gebäudes und trägt den Namen des Großwesirs Ibrahim Pascha, dessen Stiftung von 1533 sie angehört. Ihre Kuppel erhebt sich bis zu 16 Meter. Daneben prägt der Uhrturm das Stadtbild, und im Viertel Warosch stehen Häuser aus der Wiedergeburtszeit des 19. Jahrhunderts.

Das Regionalmuseum für Geschichte an der Aprilsko-Wastanie-Straße 70 ergänzt Abritus um die jüngeren Epochen; Telefon +359 84 662 460. Als Basis für zwei Tage eignet sich die Stadt, wenn du das Ludogorie ausführlicher erkunden willst.

Wer die Wiedergeburtszeit vertiefen will, findet auf der Seite zur Nationalen Wiedergeburt den Zusammenhang, in dem solche Häuser entstanden.

Wie verbindest du Abritus mit dem Grab von Sweschtari?

Das Grab von Sweschtari liegt im Reservat Sborjanowo im Westen der Ludogorie-Hochebene, am Fluss Krapinez zwischen den Dörfern Malak Porowez und Sweschtari in der Gemeinde Isperich. Das Reservat wurde mit Beschluss Nr. 19 des Ministerrats am 8. Dezember 1988 eingerichtet; mehr als 140 archäologische Stätten sind erfasst.

Das Grab selbst wurde 1982 beim Ausgraben des Hügels Nr. 7 der Ostnekropole gefunden. Es entstand im ersten Viertel des 3. Jahrhunderts v. Chr., ist 7,5 Meter lang, an der Fassade 6,5 Meter breit und im Innern 4,45 Meter hoch. Gebaut wurde es aus großen Kalksteinblöcken, mit einem Gang und drei Kammern, jede von einem eigenen Gewölbe überspannt. Die Decke ruht auf Karyatiden, Frauengestalten mit erhobenen Armen, an deren Gesichtern und Haaren Farbreste erhalten sind. Eine Szene an der Decke zeigt die Vergöttlichung des Herrschers. Die Dekoration ist unvollendet, der Herrscher starb offenbar vor der Fertigstellung. Die UNESCO nahm das Grab 1985 in die Welterbeliste auf.

Im Reservat liegen weitere Orte: die Geten-Hauptstadt Helis, eine befestigte Stadt vom Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. auf mehr als 100 Hektar, das Felsheiligtum Kamen Rid, das schon in der Steinzeit genutzt wurde, und das Grab des alevitischen Heiligen Demir Baba aus dem frühen 17. Jahrhundert. Das Besucherzentrum liegt bei der Nekropole; Führer sind dort zu buchen, ansonsten erklären Tafeln die Wege. Das Reservat ist ganzjährig bei Tageslicht zugänglich. Zur thrakischen Welt gehört die Seite zu den Thrakern, den Welterbe-Überblick liefert UNESCO-Welterbe in Bulgarien.

Wie sieht ein Tag im Ludogorie aus?

Beginne in Rasgrad mit Abritus, wenn das Reservat öffnet, und plane dort etwa zwei Stunden. Danach lohnt sich ein kurzer Gang durch das Zentrum mit Moschee und Uhrturm. Am Nachmittag fährst du nach Sweschtari, wo Grab, Nekropole und Besucherzentrum etwa zwei Stunden beanspruchen. Wer mehr Zeit hat, ergänzt Helis und den Felsen Kamen Rid.

Für einen längeren Aufenthalt bietet sich eine Kombination mit den Sehenswürdigkeiten im Nordosten an: das Naturreservat Srebarna an der Donau, die frühmittelalterlichen Hauptstädte Pliska und Madara sowie Dobritsch auf dem Weg zur Küste. Die meisten dieser Orte erreichst du nur mit dem Auto.

Wo liegt Abritus?

Zwei Kilometer östlich von Rasgrad im Ludogorie, nahe der Hauptstraße von Russe nach Warna. Das Reservat umfasst rund 1.000 Dekar.

Wann hat das Reservat Abritus geöffnet?

Täglich von 9.30 bis 18 Uhr. Das Museum zeigt den Goldschatz mit 835 Solidi, im Freigelände stehen rund 70 Inschriftendenkmäler.

Was geschah 251 bei Abritus?

Kaiser Decius und sein Sohn Herennius Etruscus fielen im Juli 251 in einer Schlacht gegen die Goten unter Kniva. Es war der erste Tod eines römischen Kaisers im Kampf gegen einen äußeren Feind.

Was ist das Grab von Sweschtari?

Ein thrakisches Königsgrab aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. mit drei Kammern, Karyatiden und Deckenmalerei, seit 1985 UNESCO-Welterbe, in der Gemeinde Isperich.

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