Weliki Preslaw war unter Zar Simeon I. ab 893 die Hauptstadt des Ersten Bulgarenreichs. Rund 20 Kilometer von Schumen entfernt kannst du die Ruinen der Runden oder Goldenen Kirche, die Palastanlage in der Innenstadt und ein Archäologisches Museum mit Tausenden Funden besichtigen.
Weliki Preslaw ist ein Ort, an dem man Geschichte buchstäblich unter den Füßen hat. Zwischen Wiesen, Hecken und Ackerflächen liegen die Reste einer mittelalterlichen Metropole, die vor mehr als tausend Jahren das politische und kulturelle Zentrum des Bulgarenreiches war. Der Zar ließ hier Paläste, Kirchen und Klöster bauen, Gelehrte schrieben Bücher in der neuen Schrift, und Handwerker fertigten Keramik, die bis heute Sammler beeindruckt. Wer die Anlage besucht, sieht kein vollständiges Stadtbild, sondern Fundamente, Mauern und einzelne Säulen, doch gerade das macht die Stätte spannend, denn hier ist Fantasie gefragt.
Die Stadt ist heute ein kleiner Ort. Die Ruinen liegen etwa fünf Kilometer vom modernen Zentrum entfernt in einem Archäologischen Reservat, das du an einem halben Tag besichtigen kannst. Dazu gehört das Museum, in dem Modelle und Funde die Anlage lebendig machen. Dieser Ratgeber führt dich durch die Geschichte der Hauptstadt, die Runde Kirche, den Palastkomplex und das Museum und sagt dir, wie du den Ausflug mit Schumen, Pliska und dem Reiter von Madara verbindest.
| Lage | Nordostbulgarien, rund 20 km südwestlich von Schumen |
|---|---|
| Hauptstadt | ab 893 unter Simeon I., danach bis zum Ende des 10. Jahrhunderts |
| Vorgängerin | Pliska, Hauptstadt von 681 bis 893 |
| Wahrzeichen | Runde oder Goldene Kirche, 10. Jahrhundert |
| Museum | über 35.000 Objekte, rund 1.700 ausgestellt |
| Reservat | Äußere Stadt, Innenstadt mit Palästen, Patriarchenkomplex |
| Schrift | Preslawer Literaturschule, Goldenes Zeitalter |
Fragen, die wir beantworten
- Warum wurde Preslaw Hauptstadt?
- Was ist die Runde oder Goldene Kirche?
- Wie war die Stadt aufgebaut?
- Was siehst du in der Palastanlage?
- Was zeigt das Archäologische Museum?
- Welche Rolle spielte die Preslawer Literaturschule?
- Wie verbindest du Preslaw mit Schumen, Pliska und Madara?
- Wie erreichst du Weliki Preslaw und wann lohnt sich die Reise?
Warum wurde Preslaw Hauptstadt?
Das Erste Bulgarenreich hatte seit 681 seine Hauptstadt in Pliska, einer Festungsstadt mit heidnischer Prägung. Mit der Christianisierung unter Fürst Boris I. wuchs das Bedürfnis nach einem neuen Zentrum. Nach dem Konzil von Preslaw im Jahr 893, das das Altbulgarische als Kirchensprache einführte, erklärte man Preslaw zur Hauptstadt. Zar Simeon I., der von 893 bis 927 herrschte, baute die Stadt zu einem Zentrum aus, das mit Konstantinopel konkurrieren sollte. Die Quellen nennen als Ende der Hauptstadtzeit Jahre zwischen 969 und 972, als byzantinische Truppen die Stadt einnahmen. Das Erste Reich erlebte unter Simeon seine größte Ausdehnung und sein Goldenes Zeitalter. Einen Überblick über die Epoche bietet der Beitrag zum Ersten Bulgarenreich. Die Lage im Hügelland nahe dem Balkangebirge bot Schutz und eine gute Verkehrsanbindung. Von hier aus ließ sich das Reich verwalten, der Handel mit Byzanz abwickeln und die neue Kirche organisieren. Für Reisende heute bedeutet das: Du stehst an einem Ort, an dem Staatsgründung, Religion und Schrift zusammenkamen.
Was ist die Runde oder Goldene Kirche?
Die Runde Kirche ist das bekannteste Bauwerk der Anlage. Sie entstand im 10. Jahrhundert unter Simeon, stand auf einer erhöhten Terrasse nahe den Palästen und hatte einen kreisförmigen Grundriss mit Säulenring, eine auffällige Form für die Zeit. Sie wird mit der „neuen goldenen Kirche“ identifiziert, die in einer altbulgarischen Handschrift erwähnt wird. Die Forschung ist sich darin nicht einig: Ein Historiker hält die Zuordnung für unbestreitbar, ein Kunsthistoriker nur für wahrscheinlich. Heute ist sie eine Ruine, aber ein eindrucksvoller Anblick. Als Gotteshaus wird sie nicht mehr genutzt, wohl aber für Taufen und Hochzeiten. Ein Modell im Museum zeigt, wie sie einst aussah, mit Kuppel, Marmor und Verzierungen. Die Kirche liegt etwa 200 Meter südlich des Palastkomplexes, sodass du beide Stätten in einem Rundgang verbinden kannst. Die Ruinen gehören zur Gruppe der bedeutendsten Bauten des mittelalterlichen Bulgariens.
Wie war die Stadt aufgebaut?
Die mittelalterliche Metropole bestand aus zwei Teilen. Die Innenstadt mit Palästen und Patriarchenkomplex war von einer eigenen Mauer umgeben, die Äußere Stadt lag rundherum und war durch einen weiteren Befestigungsring geschützt. Dort lebten Handwerker, Händler und Mönche, es gab Werkstätten, Wohnhäuser und mehrere Klöster. Die Ausgrabungen legen seit Jahrzehnten weitere Teile dieser Stadtstruktur frei. Aus der Luft lassen sich die Linien der Mauern ahnen, am Boden erkennst du sie an Wällen und Steinreihen. Wer die Anlage verstehen möchte, folgt den Hinweisschildern vom Museum zur Innenstadt und weiter zur Runden Kirche, denn so läufst du den Weg, den auch Besucher der Zarenzeit genommen haben könnten.
Was siehst du in der Palastanlage?
In der Innenstadt, die von einer zweiten Mauer umgeben war, lagen die Residenz des Herrschers mit dem Großen Palast und dem Thronpalast sowie der Patriarchenkomplex. Die Gebäude waren durch einen überdachten Gang verbunden. Du siehst Fundamente, Mauerzüge, Eingangsbereiche und Reste von Verzierungen. Hinweistafeln erklären, welche Räume welchem Zweck dienten. Der Palastkomplex liegt etwa 800 Meter südlich des Museums, sodass du ihn zu Fuß ablaufen kannst. Rechne mit einem Spaziergang von etwa einer Stunde zwischen den einzelnen Stationen. Wer sich die Pracht der Anlage vorstellen will, schaut auf die Rekonstruktionen im Museum: Dort sind Marmor, Keramik und Mosaike zu sehen, die den Reichtum der Zarenstadt zeigen.

Was zeigt das Archäologische Museum?
Das Museum von Weliki Preslaw bewahrt über 35.000 Objekte, rund 1.700 davon sind ausgestellt. Es ist formal ein städtisches Museum und täglich geöffnet. Zu den Highlights zählen bemalte Keramik, Schmuck, Inschriften, Bleisiegel und Modelle. Eine einzigartige Sammlung von Siegeln belegt die Verwaltung des Reiches, die Modelle zeigen die Runde Kirche und eine Rekonstruktion der Innenstadt. Das Ticket gilt sowohl für das Museum als auch für die Ruinen, es gibt Kassen am Museum, am Palastkomplex und an der Runden Kirche. Plane ein bis zwei Stunden für das Museum ein. Kinder interessieren sich für die Keramik und die Schmuckstücke, Erwachsene für die Siegel und die Handschriften. Frage nach aktuellen Öffnungszeiten und Eintrittspreisen, die sich saisonal ändern, und nimm Fotoapparat und Wasser mit.
Welche Rolle spielte die Preslawer Literaturschule?
Das Goldene Zeitalter des Reiches war eine Zeit des Schreibens. An der Literaturschule von Preslaw arbeiteten bedeutende Gelehrte, die Texte aus dem Griechischen ins Altbulgarische übersetzten und eigene Werke verfassten. Die Schrift, die die Schüler der Slawenapostel entwickelt hatten, verbreitete sich von hier aus im slawischen Raum und wurde später zur Grundlage des kyrillischen Alphabets. Die Namen einzelner Autoren sind bis heute bekannt, und Kloster und Skriptorien prägten das Stadtbild. Wer sich für diese Epoche interessiert, findet in der Umgebung weitere Stätten: In Patleina bei Preslaw gab es ein Kloster, in dem bemalte weiße Keramik gefertigt wurde. Auch die kulturelle Bedeutung des Ortes erschließt sich erst, wenn man bedenkt, dass sich hier die Identität eines ganzen Volkes formte.
Wie verbindest du Preslaw mit Schumen, Pliska und Madara?
Von der Stadt Schumen sind es etwa 20 Kilometer, der Ausflug dauert mit dem Auto rund 20 bis 30 Minuten. In Schumen warten die große Festung, die Tombul-Moschee und das Denkmal der 1300 Jahre Bulgarien. Die frühere Hauptstadt Pliska, die rund 25 Kilometer entfernt liegt, zeigt die Fundamente des Palastes und der Großen Basilika. Der berühmte Reiter von Madara, der zum UNESCO-Welterbe gehört, wird im Beitrag zum Madara-Reiter beschrieben. Im Weiteren ordnet der Beitrag zum UNESCO-Welterbe die Stätten ein. Diese drei Orte bilden eine Reihe von Stationen auf einer Geschichtsreise durch Nordostbulgarien. Plane dafür zwei Tage ein, besonders wenn du die Museen und die Festung in Schumen besuchen möchtest.
Wie erreichst du Weliki Preslaw und wann lohnt sich die Reise?
Weliki Preslaw liegt etwa 20 Kilometer südwestlich von Schumen und ist mit dem Auto in einer halben Stunde erreichbar. Busse verbinden die beiden Städte, die Haltestellen sind aber nicht direkt an den Ruinen. Von Warna sind es etwa anderthalb Stunden, von Sofia vier bis fünf. Für den Rundgang trägst du bequeme Schuhe, denn der Boden ist uneben, und im Sommer brauchst du Sonnenschutz. Beste Reisezeiten sind Mai bis Juni und September bis Oktober. Im Winter ist die Anlage ruhig, aber nasskalt. Die Preise für Eintritt und Verpflegung sind niedrig, bezahlt wird seit dem 1. Januar 2026 in Euro. Wenn du mit dem Auto kommst, fährst du die drei Stationen nacheinander an und sparst Zeit.
Wie lange dauert der Besuch in Weliki Preslaw?
Für Museum und Ruinen reichen drei bis vier Stunden. Wer sich Zeit nehmen möchte, plant einen halben Tag ein.
Was ist der Unterschied zwischen Pliska und Preslaw?
Pliska war von 681 bis 893 Hauptstadt und wurde von der Burgenstadt geprägt, Preslaw ab 893 die Residenz des christlichen Reiches unter Simeon mit Palästen, Kirchen und Klöstern.
Kann ich die Runde Kirche betreten?
Sie ist eine Ruine und kein Gotteshaus im Alltagsbetrieb. Besucher können sie besichtigen, sie wird manchmal für Taufen und Hochzeiten genutzt.
Wie komme ich ohne Auto hin?
Busse fahren von Schumen nach Weliki Preslaw, an die Ruinen selbst gelangst du am besten mit einem Taxi. Mit dem Mietwagen bist du flexibler.
Das Erste Bulgarenreich
Von Pliska bis Preslaw: Tauche ein in die Geschichte des mittelalterlichen Reiches und seine Zaren.
Wer die Hauptstädte des Reiches vergleichen will, besucht danach Weliko Tarnowo, die Hauptstadt des Zweiten Bulgarenreichs.
