Tscherwen ist eine mittelalterliche Festungsstadt rund 30 Kilometer südlich von Russe im Naturpark Russenski Lom. Auf einem Felsplateau über dem Tscherni Lom stand im Zweiten Bulgarenreich eine Bischofsstadt mit 13 Kirchen, Mauern bis drei Meter Breite, zwei unterirdischen Wasserleitungen und einem zwölf Meter hohen Wehrturm. 1388 eroberten die Osmanen die Stadt.
Wer die Ruinen von Tscherwen betritt, steht in einer mittelalterlichen Stadt, die ihre Grundrisse, Mauerzüge und sogar einen ganzen Turm bewahrt hat. Die Stätte liegt abseits der großen Routen im Canyon des Tscherni Lom, und gerade das macht den Besuch ruhig: Es gibt Wald, Fels und Fluss, aber wenig Trubel. Die Hauptstadt des Reiches war Weliko Tarnowo.
Diese Seite erklärt, wie Tscherwen entstand und warum es im 14. Jahrhundert so bedeutend war, was du auf dem Plateau findest, wie die Anlage aufgebaut ist und wie du den Besuch mit den Felsenkirchen von Iwanowo und dem Felsenkloster Basarbowo verbindest.
| Lage | Naturpark Russenski Lom, rund 30 km südlich von Russe, auf einem Felsplateau über der Schlucht des Tscherni Lom |
|---|---|
| Blütezeit | 12. bis 14. Jahrhundert, Zweites Bulgarenreich (1185 bis 1396) |
| Bischofssitz | ab 1235 |
| Ende der Stadt | 1388, Eroberung durch die Osmanen |
| Anlage | innere Stadt (Zitadelle) und äußere Stadt, 13 Kirchen, zwei unterirdische Wasserleitungen |
| Schutz | archäologisches Reservat seit 1997 (Beschluss Nr. 953 des Ministerrats) |
Fragen, die wir beantworten
- Wo liegt Tscherwen und wie kommst du hin?
- Wie entstand Tscherwen und wann blühte die Stadt?
- Wie war die Stadt aufgebaut?
- Wie schützten Mauern und Wasserleitungen die Stadt?
- Was ist das Besondere am Wehrturm von Tscherwen?
- Welche Kirchen hatte Tscherwen?
- Wie planst du den Besuch in Tscherwen?
- Was zeigt das Felsenkloster Basarbowo?
- Was kannst du in der Umgebung ergänzen?
Wo liegt Tscherwen und wie kommst du hin?
Tscherwen liegt im Naturpark Russenski Lom, etwa 30 Kilometer südlich von Russe an der Donau. Die Stadt thront auf einem hohen Felsplateau über der Schlucht des Tscherni Lom, der hier eine enge Schleife zieht. Wo der Fluss die Halbinsel auf drei Seiten umfließt, mussten die Erbauer nur eine Seite aufwendig befestigen.
Du erreichst die Stätte über die Straße; Hinweisschilder führen zum Dorf Tscherwen und zum Parkplatz unterhalb des Felsens. Auch öffentliche Verkehrsmittel fahren, doch ein Mietwagen oder ein Taxi ab Russe macht den Tag flexibler. Hinweise zu Verleihern und Vignette findest du unter Mietwagen in Bulgarien.
Zwei Touristeninformationen helfen vor Ort weiter: eine in Russe und eine im Dorf Iwanowo, nur wenige Kilometer entfernt. Die Anlage ist nicht barrierefrei, denn die Stadt liegt auf einem Felsen, und der Zugang führt über Treppen. In der Umgebung gibt es Hotels, Geschäfte und ausgeschilderte Wege.
Wie entstand Tscherwen und wann blühte die Stadt?
Die Geschichte des Ortes reicht weit vor das Mittelalter zurück. Auf dem Felsplateau lag eine byzantinische Festung des 6. Jahrhunderts, die den Zugang zum Tal sicherte. Aus ihr erwuchs eine Siedlung, die sich nach der Befreiung von Byzanz im Jahr 1185 stark vergrößerte und im 14. Jahrhundert ihre größte Blüte erlebte.
Die Lage erklärt den Aufstieg. Tscherwen lag an wichtigen Straßen vom Donauraum ins Landesinnere. Es war eines der größten militärischen, administrativen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentren des Zweiten Bulgarenreiches. Ab 1235 residierte hier ein Bischof, die Stadt war also auch kirchliches Zentrum des Umlands. Mehr zur Epoche steht auf der Seite zum Zweiten Bulgarenreich.
In der Umgebung entstanden in dieser Zeit mehrere Felsklöster. Wer Tscherwen besucht, sieht deshalb nur den städtischen Teil einer Kulturlandschaft; die Klöster liegen im Tal verstreut, und die Felsenkirchen von Iwanowo sind das bekannteste Beispiel.
Wie war die Stadt aufgebaut?
Die Anlage bestand aus zwei Teilen. Die innere Stadt, die Zitadelle, lag auf dem hohen Felsplateau und war die eigentliche Burg. Die äußere Stadt breitete sich am Fuß des Felsens aus, wo Handwerker, Händler und Bauern wohnten. Diese Zweiteilung ist typisch für mittelalterliche Städte des Balkans: oben Herrschaft und Verteidigung, unten Alltag und Markt.
Auf dem Plateau haben die Ausgräber eine Burg, Verwaltungs- und Wohngebäude, Werkstätten, Straßen und einen großen Palast freigelegt, die Residenz der örtlichen Herren. Münzschätze, Schmuck, Keramik, Haushaltsgegenstände, Werkzeuge und Waffen aus den Grabungen zeigen, wie vielfältig das Leben in der Stadt war.
Die Grundrisse auf dem Plateau sind niedrig, doch die Anlage ist gut zu lesen: Du erkennst, wo Gebäude standen, wo Straßen verliefen und wie sich die Bebauung um die Burg gruppierte.

Wie schützten Mauern und Wasserleitungen die Stadt?
Die Befestigungsmauern sind bis zu drei Meter breit. Sie umschlossen die Zitadelle und schlossen an die natürlichen Felswände an, sodass die Verteidiger nur an wenigen Stellen Angriffe abwehren mussten. Am Ende des 14. Jahrhunderts standen die osmanischen Heere vor dem Reich.
Eine besondere Leistung der Stadt war die Wasserversorgung. Zwei gut erhaltene unterirdische Wasserleitungen führten Wasser auf das Plateau. Für eine Stadt auf einem Felsen ist ein gesicherter Zugang zu Wasser entscheidend, denn der Fluss liegt tief unten in der Schlucht.
Die Mauern konnten die Eroberung trotzdem nicht verhindern. 1388 nahmen die Osmanen Tscherwen ein und zerstörten die Stadt. In der frühen osmanischen Zeit behielt der Ort zwar Verwaltungsfunktionen, verlor aber nach und nach seine Bedeutung. Im 17. Jahrhundert erlebte der Ort einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung. Hintergründe liefert die Seite zur Osmanischen Herrschaft.
Was ist das Besondere am Wehrturm von Tscherwen?
Der Wehrturm ist das bekannteste Bauwerk der Stadt. Er stammt aus dem 14. Jahrhundert, ist dreistöckig, rund zwölf Meter hoch und vollständig erhalten. Er ist einer von nur zwei mittelalterlichen Wehrtürmen Bulgariens, die im Original überdauert haben.
Der Turm diente in den 1930er-Jahren als Vorbild für den Wiederaufbau des Baldwin-Turms auf dem Zarewez-Hügel in Weliko Tarnowo. Wer beide Orte besucht, erkennt die Verwandtschaft: Das Original steht in Tscherwen, die Rekonstruktion in der Hauptstadt des Reiches. Das macht Tscherwen auch für Architekturfreunde lohnend.
Der Turm ist das beste Beispiel dafür, wie mittelalterliche Wehrarchitektur im Zweiten Bulgarenreich aussah, und er erlaubt dir einen Blick auf Bauweise und Höhe, den Ruinen sonst nicht bieten.
Welche Kirchen hatte Tscherwen?
Ausgräber haben in Tscherwen 13 Kirchen entdeckt. Die Zahl zeigt, wie stark das religiöse Leben die Stadt prägte. Einige Kirchen standen auf dem Plateau, andere in der äußeren Stadt; sie unterschieden sich in Größe und Ausstattung und dienten verschiedenen Gemeinden und Stiftern.
Dass Tscherwen Bischofssitz war, erklärt die Dichte der Kirchen: Seit 1235 residierte hier ein Bischof, und die Stadt war das kirchliche Zentrum ihres Umlands.
Die Kirchen sind heute Ruinen, doch ein Besuch macht anschaulich, wie dicht sakrale Bauten in einer mittelalterlichen Stadt standen. Mehr zu Kirchen und Klöstern im Land findest du unter Sehenswürdigkeiten in Bulgarien.
Wie planst du den Besuch in Tscherwen?
Der Besuch ist kostenpflichtig und saisonal. Eine Führung ist verfügbar; sie lohnt sich, denn ohne Erklärung bleiben die Grundrisse schwer lesbar. Das Regionale Geschichtsmuseum Russe betreut die Stätte und leitet die Ausgrabungen, und ein Museumsführer ist vor Ort.
Der Aufstieg führt über Treppen, der Weg über das Plateau ist einfach. Hinweise zur Wahl der Jahreszeit findest du unter Beste Reisezeit und im Überblick Bulgarien im Mai.
Der historische Wanderweg des Naturparks beginnt im Dorf Tscherwen, führt über den Parkplatz der Festung und die Treppe hinauf zum Eingang der Anlage. Führungen im Park sind vorab anzumelden.

Was zeigt das Felsenkloster Basarbowo?
Das Felsenkloster Sankt Dimitrius Basarbowski liegt im Tal des Russenski Lom nahe dem Dorf Basarbowo, rund zehn Kilometer von Russe entfernt. Es entstand im Zweiten Bulgarenreich; sein Name taucht erstmals im osmanischen Steuerregister von 1431 auf. Im 19. Jahrhundert stand es zeitweise leer, 1937 ließ sich der Priester Hrisant dort nieder und belebte das Kloster neu. Heute ist es das einzige aktive Felsenkloster Bulgariens, und der Besuch ist kostenlos.
Der Weg führt durch einen grünen Hof zu einem Brunnen, den der Überlieferung nach der Heilige selbst gegraben hat; die Einheimischen halten das Wasser für heilkräftig. Über 48 Stufen erreichst du eine Felsplattform mit einer Nische, in der Dimitrius der Legende nach schlief, und daneben eine Felsenkirche mit einer Holzikonostase von 1941. Über eine Steintreppe gelangst du in eine natürliche Höhle, die als Beinhaus dient und eine kleine Ausstellung enthält. Dort ist auch Hrisant bestattet.
Dimitrius wurde 1685 im Dorf Basarbowo geboren und verbrachte sein Leben im Kloster. Seine Reliquien liegen seit dem russisch-osmanischen Krieg von 1768 bis 1774 in der Kirche St. Konstantin und St. Elena in Bukarest. Das Patronatsfest wird am 26. Oktober gefeiert. Im Kloster werden Informationsmaterial und Ikonen verkauft; die Straße von Russe nach Bjala ist ausgeschildert.
Was kannst du in der Umgebung ergänzen?
Der Naturpark Russenski Lom bietet mehrere Stationen für einen gemeinsamen Tag. Die Felsenkirchen von Iwanowo, Welterbe der UNESCO, liegen im selben Park, und das Felsenkloster Basarbowo liegt auf dem Weg von Russe. Einen Überblick über die Region gibt die Seite zum Naturpark Russenski Lom.
Wer mehrere Tage im Norden bleibt, verbindet das Tal mit der Donaustadt Swischtow und mit Rasgrad, wo die Römerstadt Abritus liegt.
Mehr Wandertipps im ganzen Land bietet die Seite Wandern und Trekking.
Wo liegt Tscherwen?
Rund 30 Kilometer südlich von Russe im Naturpark Russenski Lom, auf einem Felsplateau über der Schlucht des Tscherni Lom.
Was ist der Wehrturm von Tscherwen?
Ein dreistöckiger, rund zwölf Meter hoher Turm aus dem 14. Jahrhundert. Er ist vollständig erhalten und diente in den 1930er-Jahren als Vorbild für den Baldwin-Turm in Weliko Tarnowo.
Wie viele Kirchen hatte Tscherwen?
13 Kirchen haben Ausgräber entdeckt. Seit 1235 war die Stadt Bischofssitz.
Wann wurde Tscherwen zerstört?
1388, als die Osmanen die Stadt eroberten. Danach verlor sie nach und nach ihre Bedeutung.
Sehenswürdigkeiten in Bulgarien
Burgen, Klöster, Welterbe und Ausgrabungen im Überblick.
