Pliska war von 681 bis 893 die Hauptstadt des Ersten Bulgarenreiches und liegt knapp 30 Kilometer nordöstlich von Schumen. Von der weiten Stadtanlage mit Wällen, Palast und Großer Basilika sind Grundmauern, Fundamente und Bauteile erhalten. Die Anlage ist ein Freilichtgelände mit kleinem Museum und täglich geöffnet, ideal als Teil eines Tagesausflugs mit Madara und Weliki Preslaw.
Wer in Bulgarien den Anfängen des Landes nachspüren will, kommt an Pliska nicht vorbei. Hier, auf einer offenen Ebene im Nordosten, lag die erste Hauptstadt des bulgarischen Staates. Die Besonderheit des Ortes liegt darin, dass du die Größe der Anlage eher erahnst als siehst: Es gibt Ruinen und Grundrisse, aber keine geschlossene Altstadt.
Diese Seite erklärt, was Pliska war, wie die Stadt aufgebaut war, was du vor Ort tatsächlich findest und wie du den Besuch planst. Für den größeren Zusammenhang empfehlen wir zusätzlich unseren Überblick zum Ersten Bulgarenreich.
| Lage | Nordostbulgarien, knapp 30 km nordöstlich von Schumen, rund 2 km vom heutigen Dorf Pliska |
|---|---|
| Hauptstadt | 681 bis 893 (Erstes Bulgarenreich), danach Preslaw |
| Fläche | rund 23 Quadratkilometer |
| Status | nationales Kultur- und Geschichtsdenkmal (Staatsverordnung von 1970) |
| Öffnungszeiten | April bis Oktober 8.30 bis 19 Uhr, November bis März 8.30 bis 17 Uhr, täglich |
| Dauer | ein bis zwei Stunden, mit Museum etwas länger |
| Gut kombinierbar | Schumen, Madara-Reiter, Weliki Preslaw |
Fragen, die wir beantworten
- Was war Pliska und warum ist die Stadt wichtig?
- Wo liegt Pliska und wie erreichst du es?
- Wie war die Stadt aufgebaut?
- Wie veränderten sich die Bauten im Lauf der Zeit?
- Welche Daten solltest du dir merken?
- Was änderte sich 864 mit der Christianisierung?
- Was siehst du heute vor Ort?
- Wann ist Pliska geöffnet und wie lange brauchst du?
- Für wen lohnt sich Pliska?
- Wie kombinierst du Pliska mit Schumen, Madara und Preslaw?
- Warum endete die Rolle als Hauptstadt?
Was war Pliska und warum ist die Stadt wichtig?
Pliska war die erste Hauptstadt des bulgarischen Staates. Das Erste Bulgarenreich entstand 681, und Pliska blieb bis 893 sein politisches Zentrum. In dieser Zeit wurde aus einem Bündnis von Protobulgaren und Slawen ein Staat, der sich gegen Byzanz behauptete und 864 das Christentum annahm. Alle diese Etappen sind mit dem Ort verbunden.
Für Reisende ist Pliska aus einem anderen Grund spannend als etwa Weliki Tarnowo oder Sofia: Es gibt keine geschlossene Altstadt zu besichtigen. Dafür siehst du, wie eine frühmittelalterliche Residenzstadt angelegt war, und kannst den Weg vom hölzernen Lager der ersten Jahrzehnte bis zur steinernen Hauptstadt nachvollziehen. Wer sich für Archäologie interessiert, bekommt hier ein anschauliches Freilichtbuch.
Wo liegt Pliska und wie erreichst du es?
Das Reservat liegt rund 2 Kilometer vom heutigen Dorf Pliska entfernt und knapp 30 Kilometer nordöstlich von Schumen. Schumen ist deshalb der beste Standort: Von dort erreichst du Pliska in etwa einer halben Stunde, wie auch unser Ratgeber zur Stadt beschreibt. Die Ebene liegt an einem Kreuzungspunkt wichtiger Wege, und die umliegenden Hänge boten Weideland für die Herden der frühen Bulgaren.
Ohne eigenes Fahrzeug planst du am besten mit einem Taxi oder einem Mietwagen ab Schumen, denn das Reservat liegt außerhalb des Dorfes. Mit dem Auto verbindest du Pliska bequem mit den anderen Stationen der Region, wie in unserem Ratgeber Mietwagen in Bulgarien beschrieben. Navigiere zum Dorf Pliska und folge der Beschilderung zum Nationalreservat.
Wie war die Stadt aufgebaut?
Pliska war keine Burg, sondern eine weitläufige Anlage auf ebenem Gelände. Insgesamt bedeckte das ummauerte Areal rund 23 Quadratkilometer. Geschützt wurde die Stadt von mehreren Verteidigungslinien: einem Graben mit Erdwall, einer Festungsmauer aus Stein und einem inneren Ring um die Zitadelle. Im Inneren lagen der Herrscherpalast mit Thronsaal, Wohnbauten, Werkstätten, Wirtschaftsgebäude und Tempel.
Als Haupteingang diente das Osttor. Von dort führt der Weg zur Großen Basilika, die gut einen Kilometer vom Tor entfernt liegt. Die Stadt dürfte noch größer gewesen sein als das ummauerte Areal: Dörfer für die Arbeiter entstanden in den umliegenden Feldern.
Wie veränderten sich die Bauten im Lauf der Zeit?
Die frühesten Bauten vom Ende des 7. Jahrhunderts bestanden aus Holz, rund oder rechteckig, teils als Wohnräume, teils für andere Zwecke. Schon die ersten Paläste umgaben befestigte Mauern, und in den Feldern ringsum entstanden Dörfer für die Arbeiter.
Am Ende des 8. und zu Beginn des 9. Jahrhunderts löste Stein das Holz ab. Als erster Steinbau gilt der Palast von Khan Krum. Im Jahr 811 zerstörte der byzantinische Kaiser Nikephoros die Hauptstadt. Unter Omurtag, der von 814 bis 831 regierte, wurde die Residenz wieder aufgebaut: Der neue Thronsaal entstand an der Stelle des alten, und eine hohe Ziegelmauer umschloss Palast, Wohnquartiere und Felder.
Welche Daten solltest du dir merken?
- 681: Gründung des bulgarischen Staates, Pliska wird Hauptstadt
- Ende 7. Jahrhundert: erste Holzbauten mit Wehrmauern
- Ende 8. / Anfang 9. Jahrhundert: Steinbauten, Palast von Khan Krum
- 811: Zerstörung durch den byzantinischen Kaiser Nikephoros
- 814 bis 831: Wiederaufbau unter Omurtag mit neuem Thronsaal
- 864: Annahme des Christentums unter Fürst Boris I.
- 893: Simeon I. besteigt den Thron und verlegt die Hauptstadt nach Preslaw
- 1048/1049: schwere Verwüstung durch einen Einfall
Diese Reihe zeigt, wie schnell sich die Stadt wandelte. Zwischen der Gründung und der Verlegung der Hauptstadt liegen gut zwei Jahrhunderte, in denen sich das Aussehen von Holzlager zu Residenzstadt mit Steinpalästen und Kirchen veränderte.
Was änderte sich 864 mit der Christianisierung?
864 nahm Bulgarien unter Fürst Boris I. das Christentum an. In Pliska hatte das sichtbare Folgen: Ehemalige heidnische Tempel wurden zu Kirchen umgebaut, und es entstanden neue Gotteshäuser. Die eindrucksvollste war die Große Basilika, deren Reste bis heute zu sehen sind. Zu der Kirchenanlage gehörten ein Kathedralbau, ein Erzbischofssitz und ein Kloster.
Die Basilika liegt gut einen Kilometer vom Osttor entfernt. Wie die Anlage sich im Einzelnen entwickelte und was an ihrer Stelle zuvor stand, ist in der Forschung teils offen. Gesichert ist, dass die Kirche nach der Taufe zu den bedeutenden Gotteshäusern der Hauptstadt gehörte.
Was siehst du heute vor Ort?
Du läufst über ein weites, flaches Gelände. Sichtbar sind Fundamente von Palast und Thronsaal, Wälle und Gräben der Befestigung sowie die Mauerzüge der Großen Basilika. Daneben liegen Bauteile mit Gesimsen, Reste von Bädern, Wasserleitungen und Zisternen. Bewohnbare Gebäude gibt es nicht, deshalb lohnt es, vorher zu lesen, was an welcher Stelle stand.
Am nordöstlichen Eck des Palastes steht ein kleines Museum, das Funde aus der Umgebung zeigt: Gegenstände des Alltags und des geistlichen Lebens. Vor dem Museum gibt es eine Rastmöglichkeit mit Kaffee, Getränken und abgepackten Snacks. Betreut wird das Reservat vom Regionalen Geschichtsmuseum in Schumen.
Wann ist Pliska geöffnet und wie lange brauchst du?
Das Reservat ist täglich geöffnet. Von April bis Oktober gilt 8.30 bis 19 Uhr, von November bis März 8.30 bis 17 Uhr. Das Freigelände ist weitläufig. Für einen ersten Eindruck mit Museum reichen ein bis zwei Stunden, wer die Entfernungen zwischen Osttor, Palast und Basilika zu Fuß abgeht, plant etwas mehr ein.
Eintritt und Führungen werden vor Ort abgerechnet. Beträge und Zeiten ändern sich, daher ruf bei Bedarf vorher an: Das Reservat ist unter +359 532 32012 erreichbar. Als Jahreszeit eignen sich Frühling und Herbst am besten, mehr dazu auf der Seite Beste Reisezeit für Bulgarien.
Für wen lohnt sich Pliska?
Pliska ist ein Ziel für Geschichtsinteressierte und für alle, die das Erste Bulgarenreich verstehen wollen. Wer lieber Kirchen mit Wandmalereien oder lebendige Altstädte besucht, findet das in Weliko Tarnowo oder im Rila-Kloster. Pliska verlangt dagegen etwas Vorstellungskraft.
Familien mit Kindern kommen gut zurecht, weil das Gelände weitläufig ist und sich Kinder frei bewegen können. Plane dann eine Rast am Museum ein und nimm Wasser mit. Bei Regen und starkem Wind ist der Besuch wenig angenehm, denn es gibt kaum Schutz.
Wie kombinierst du Pliska mit Schumen, Madara und Preslaw?
Die Region um Schumen ist das Kernland des Ersten Bulgarenreiches. Eine sinnvolle Tagesroute führt von Schumen nach Pliska, dann nach Weliki Preslaw, der Nachfolgerin als Hauptstadt, und zum UNESCO-Felsrelief des Madara-Reiters. So erlebst du den Übergang von der ersten zur zweiten Hauptstadt und dazu ein Denkmal aus derselben Epoche.
Fahre früh los und rechne für drei Stationen mit einem vollen Tag. Wer mehr Ruhe möchte, teilt den Ausflug auf zwei Tage auf und übernachtet in Schumen. Wie es nach dem Ersten Reich weiterging, erklärt die Seite zum Zweiten Bulgarenreich.
Warum endete die Rolle als Hauptstadt?
Im Jahr 893 bestieg Simeon I. den Thron und verlegte die Hauptstadt nach Preslaw. Pliska verlor damit seine politische und verwaltende Bedeutung. Einen heftigen Schlag erlitt der Ort 1048/1049, als ein großer Einfall die Gegend verwüstete.
1970 wurde sie per Staatsverordnung zum nationalen Kultur- und Geschichtsdenkmal erklärt. Die Reste liegen verstreut im offenen Gelände, der Besuch fühlt sich daher anders an als in dichter bebauten Orten wie Warna oder Plowdiw.
Wann war Pliska Hauptstadt?
Von der Gründung des bulgarischen Staates 681 bis 893. Danach verlegte Simeon I. die Hauptstadt nach Preslaw.
Wie groß war die Stadt Pliska?
Das ummauerte Gebiet bedeckte rund 23 Quadratkilometer und war mit Graben, Wall und Mauern gesichert.
Wann ist das Reservat geöffnet?
Täglich: April bis Oktober von 8.30 bis 19 Uhr, November bis März von 8.30 bis 17 Uhr.
Lohnt Pliska ohne Vorwissen?
Ja, wenn du dich vorher kurz einliest. Es gibt Fundamente und Wälle, aber kaum erhaltene Gebäude, daher helfen Museum und Lageplan.
Passend dazu: Rasgrad mit dem Römerreservat Abritus.
