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Iwanowo und Swestari

Iwanowo und Swestari

Die Felsenkirchen von Iwanowo liegen etwa 20 Kilometer südlich von Russe im Naturpark Russenski Lom und gehören seit 1979 zum UNESCO-Welterbe. Das Thrakergrab von Swestari mit seinen zehn Karyatiden aus dem 3. Jahrhundert vor Christus steht seit 1985 auf der Liste. Beide Stätten lassen sich als Ausflug ab Russe verbinden.

Der Norden Bulgariens gilt als Durchgangsland zwischen Donau und Balkangebirge, doch wer hier haltmacht, entdeckt zwei der erstaunlichsten Welterbestätten des Landes. Die eine liegt im Tal des Flusses Russenski Lom, wo mittelalterliche Mönche Kirchen, Kapellen und Zellen in die steilen Kalksteinfelsen schlugen und mit Fresken ausmalten. Die andere liegt versteckt in einem Hügel bei Swestari, wo eine thrakische Grabkammer überlebt hat, deren Wände von Frauengestalten getragen werden, die zur Hälfte Pflanze sind.

Beide Orte unterscheiden sich in Zeit und Charakter: Iwanowo gehört ins 13. und 14. Jahrhundert, in die Spätzeit des mittelalterlichen Bulgarien, Swestari ins 3. Jahrhundert vor Christus, in die Welt der Geten und Thraker. Zusammen zeigen sie, wie lang die Geschichte dieses Landes ist. Die kurze Übersicht im Beitrag zum UNESCO-Welterbe hat beide Stätten bereits genannt; hier erfährst du, was dich vor Ort erwartet, wie du die Wege planst und wie du die Ausflüge von Russe aus kombinierst.

IwanowoFelsenkirchen und Zellen im Russenski Lom, 13. und 14. Jahrhundert
UNESCOIwanowo seit 1979, Swestari seit 1985
Lage Iwanoworund 20 km südlich von Russe
Erhaltungvon früher rund 300 Bauten sind etwa 40 erhalten
SwestariThrakergrab aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, 1982 wiederentdeckt
Besonderheitzehn Karyatiden, halb Frau, halb Pflanze
Lage Swestaribei Isperich, rund 42 km nordöstlich von Rasgrad

Was sind die Felsenkirchen von Iwanowo?

Im Tal des Russenski Lom liegt ein ehemaliges Felsenkloster, dessen Räume auf mehreren Etagen in die Kalksteinwand gehauen sind. Ursprünglich soll es rund 300 Kirchen, Kapellen und Zellen gegeben haben, von denen heute etwa 40 erhalten sind. Die Anlage entstand im 13. und 14. Jahrhundert, in der Zeit des Zweiten Bulgarenreichs, und wurde nach der osmanischen Eroberung im Jahr 1396 aufgegeben und vergessen. Die Kirchen sind über schmale Pfade, Treppen und Stege erreichbar, und manche öffnen sich nur zu einem engen Raum. Die UNESCO nahm die Stätte 1979 in die Welterbeliste auf und würdigte vor allem die außergewöhnliche Qualität der Fresken. Der Hintergrund der Epoche ist im Beitrag zum Zweiten Bulgarenreich beschrieben. Wer die Felsenräume betritt, spürt noch heute die Stille, die Mönche suchten.

Was zeigen die Fresken?

Die Wandmalereien des 14. Jahrhunderts gelten als Höhepunkt mittelalterlicher bulgarischer Kunst. Die UNESCO spricht von außergewöhnlicher Kunstfertigkeit und bemerkenswerter künstlerischer Sensibilität. Die Figuren wirken weniger starr als in älteren Bildern, die Gesichter sind individuell, die Gesten lebendig, und die Farben haben sich trotz Feuchtigkeit erhalten. Die bekanntesten Bilder zeigen Szenen aus dem Leben Christi und Marias sowie ein Porträt des Zaren Iwan Alexander. Welche Kirche das Porträt enthält und wie du es siehst, erfährst du vor Ort vom Museum oder von Führern. Die berühmteste Kirche trägt den Namen der Heiligen Gottesmutter. Fotografieren kann eingeschränkt sein, um die empfindlichen Malereien zu schützen. Gehe langsam und lass dir die Bildinhalte erklären, denn ohne Vorwissen sind viele Szenen schwer zu deuten.

Wie planst du den Besuch in Iwanowo?

Die Anlage ist nach Angaben von April bis November täglich geöffnet, von Dezember bis März nicht; prüfe die aktuellen Zeiten, bevor du losfährst. Für den Besuch brauchst du je nach Interesse eine bis vier Stunden, ein geführter Rundgang dauert länger. Du läufst über Stufen, Plattformen und kurze Stege am Fels, deshalb solltest du trittsicher sein und feste Schuhe tragen; für Menschen mit Gehproblemen ist der Weg anspruchsvoll. Der Eintritt ist gering, bezahlt wird in Euro. Informiere dich vorab nach Führungen. Vom Parkplatz aus erreichst du die Kirchen in einem kurzen Aufstieg. Bei Nässe sind die Felsen rutschig. Im Sommer ist es im Tal schattig und kühler als in der Ebene, im Frühling blüht die Landschaft, im Herbst färbt sich der Wald. Nimm Wasser und eine Jacke mit. Kinder sollten an den Kanten und Stegen an der Hand bleiben. Wer die Kirchen in Ruhe sehen möchte, wählt einen Wochentag außerhalb der Ferien und beginnt früh, denn gegen Mittag kommen die Reisegruppen. Ein Besuch im Historischen Museum von Russe vorab liefert Hintergrund zu Geschichte und Malerei der Anlage.

Was bietet der Naturpark Russenski Lom?

Die Felsenkirchen liegen im Naturpark Russenski Lom, einer Landschaft aus tief eingeschnittenen Tälern, Wäldern und Höhlen südlich von Russe. Weitere Stationen sind das Felsenkloster Basarbowo, rund zehn bis zwölf Kilometer südlich von Russe, das als einziges noch aktives Felsenkloster Bulgariens gilt, und die mittelalterliche Festungsstadt Tscherwen, etwa 30 Kilometer von Russe entfernt. Beide lassen sich gut mit Iwanowo kombinieren; sie liegen innerhalb einer Stunde Fahrt voneinander. Wer wandern möchte, findet markierte Wege, darunter eine lange Strecke von Iwanowo über Tscherwen und das Dorf Tabatschka, die rund fünf bis sechs Stunden dauert. Wanderfreunde sollten die Strecke vorab auf einer Karte prüfen. Das Basarbowo-Kloster ist ein aktiver Ort des Glaubens, halte dich an Kleidungsregeln und die Stille.

Lohnt sich Tscherwen als Ergänzung?

Die mittelalterliche Festungsstadt Tscherwen liegt etwa 30 Kilometer südlich von Russe im Naturpark Russenski Lom und ist täglich zugänglich. Sie breitet sich auf einem Felssporn über einer Flussschleife aus, ihre Mauerreste, Kirchenfundamente und Wohnhäuser lassen sich auf Wegen erkunden. Der Ort war im Mittelalter ein Verwaltungs- und Handelszentrum der Region und ergänzt die Felsenkirchen von Iwanowo gut, weil er den weltlichen Teil des Lebens zeigt, während Iwanowo das geistliche Leben spiegelt. Der Rundgang führt über Treppen und Hänge, du brauchst feste Schuhe und etwas Kondition. Im Sommer ist es auf dem Sporn heiß, mitgebrachtes Wasser ist wichtig. Die Aussicht auf die Schleife des Flusses und die bewaldeten Hänge gehört zu den schönsten im Norden des Landes.

Was macht das Thrakergrab von Swestari besonders?

Das Grab wurde 1982 wiederentdeckt und stammt aus dem 3. Jahrhundert vor Christus. Es gehört zur Nekropole bei Swestari im Reservat Sboryanowo und zeigt die lokale Kunst der Geten, einer thrakischen Gruppe, die vom Hellenismus beeinflusst war. Besonders eindrucksvoll ist die Dekoration der Hauptkammer: Zehn Karyatiden, Frauengestalten halb Mensch, halb Pflanze, tragen die Wände und scheinen in einem stillen Tanz zu erstarren. Dazu kommen Reliefs und gemalte Szenen. Die UNESCO nahm das Grab 1985 in ihre Liste auf; es gilt als seltenes Beispiel thrakischer Architektur mit außergewöhnlich gut erhaltenen Verzierungen. Mehr zu der Kultur, die solche Gräber schuf, findest du im Beitrag zum Thrakischen Gold und Gräbern. Die Kammer ist klein und empfindlich, deshalb ist der Zugang geregelt.

Die Grabkammer von Swestari mit Karyatiden an den Wänden und einer gewölbten Decke
Zehn Karyatiden, halb Frau und halb Pflanze, schmücken das Thrakergrab von Swestari.

Wie besuchst du Swestari?

Die Nekropole liegt rund acht Kilometer von Isperich entfernt und etwa 42 Kilometer nordöstlich von Rasgrad. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, nimmt den Bus von Isperich ins Dorf Swestari und geht die letzten zwei Kilometer zu Fuß; Fahrpläne ändern sich und der Bus fuhr in der Vergangenheit etwa alle zwei Stunden. Mit dem Auto ist die Anreise einfacher. Das Reservat ist ganzjährig bei Tageslicht zugänglich, für die Grabkammer selbst solltest du die Öffnungszeiten und Besuchsregeln prüfen, sie können saisonal eingeschränkt sein. Am Besucherzentrum bei der Nekropole kannst du einen Führer buchen. Rechne mit ein bis zwei Stunden. Sonst gibt es Informationstafeln, sodass du auch auf eigene Faust zurechtkommst. Für Rückfragen steht die Touristeninformation in Rasgrad zur Verfügung.

Wie kombinierst du beides als Ausflug ab Russe?

Von Russe erreichst du Iwanowo in etwa 20 bis 30 Minuten, Basarbowo noch schneller. Swestari liegt dagegen in anderer Richtung und ist ein eigener Ausflug von rund anderthalb Stunden pro Weg. Praktisch ist deshalb eine Aufteilung in zwei Tage: ein Tag für Iwanowo, Basarbowo und Tscherwen im Russenski Lom, ein zweiter für Swestari mit weiteren Stationen in der Gegend von Isperich. Wer den Süden anschließen möchte, fährt nach Weliko Tarnowo. Plane Mietwagen oder Taxi ein, öffentliche Verbindungen sind dünn. Frühling und Herbst sind die beste Reisezeit, im Hochsommer ist es heiß, im Winter sind Wege nass und Anlagen teils geschlossen.

Wie weit ist Iwanowo von Russe entfernt?

Rund 20 Kilometer südlich von Russe. Mit dem Auto brauchst du etwa 20 bis 30 Minuten.

Ist Iwanowo im Winter geöffnet?

Nach Angaben ist die Anlage von April bis November geöffnet, im Winter von Dezember bis März nicht. Prüfe die aktuellen Zeiten vor der Fahrt.

Was sind die Karyatiden in Swestari?

Zehn Frauengestalten in der Grabkammer, die halb Frau und halb Pflanze dargestellt sind und Teile der Wanddekoration tragen. Sie gelten als eines der Hauptmerkmale des Grabes.

Kann ich beide Stätten an einem Tag besuchen?

Möglich, aber lang. Iwanowo liegt südlich von Russe, Swestari weit im Nordosten. Besser ist es, beide Ausflüge auf zwei Tage zu verteilen.

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