Das Kloster des Erzengels Michael liegt etwa sechs Kilometer von Drjanowo entfernt in einer Schlucht an der Straße nach Gabrowo, die Batscho-Kiro-Höhle nur rund 300 Meter flussaufwärts. Das Kloster war 1876 Stützpunkt des Aprilaufstands, die Höhle ist 3.600 Meter lang und barg Funde von Menschen, die vor rund 45.000 Jahren dort lebten. Beides lässt sich an einem halben Tag besuchen.
Zwischen Weliko Tarnowo und Gabrowo, mitten im Vorland des Balkangebirges, liegt eines der dichtesten Besuchsziele der Region: Ein Kloster, das mehrfach zerstört wurde und jedes Mal an anderer Stelle neu entstand, daneben eine Höhle, die Bulgarien als erste erschlossene Schauhöhle des Landes kennt, und ein Flusstal mit markierten Wegen. Wer auf der Fahrt zwischen den beiden Städten nur durchrollt, verpasst einen der besten Halbtage des Landes.
Diese Seite verbindet die drei Orte zu einer Route: Kloster, Höhle und Lehrpfad. Du erfährst, warum das Kloster 1876 eine besondere Rolle spielte, was in der Höhle zu sehen ist, welche der beiden Höhlenrouten zu dir passt und was die Ausgrabungen der Jahre nach 2015 über die ersten Menschen Europas verraten haben.
| Lage | Schlucht der Flüsse Drjanowska und Andaka, rund 6 km von Drjanowo an der Straße nach Gabrowo |
|---|---|
| Kloster | Erzengel Michael, gegründet unter Zar Kalojan (1197–1207) |
| Aprilaufstand | 29. April 1876: Gruppe um Pop Chariton und Batscho Kiro im Kloster, neun Tage Belagerung |
| Höhle | 3.600 m Gänge auf vier Ebenen, rund 700 m begehbar |
| Höhlenrouten | kurz rund 350 m (20 bis 30 Minuten), lang rund 60 Minuten mit Führung |
| Öffnungszeiten Höhle | November bis März 10 bis 16 Uhr, April bis Oktober 9 bis 18 Uhr |
| Funde | Menschliche Reste von vor rund 45.000 Jahren (Grabungen seit 2015) |
Fragen, die wir beantworten
- Was ist Drjanowo und warum lohnt der Abstecher?
- Wo liegt das Kloster und wie kommst du hin?
- Was ist die Geschichte des Klosters?
- Was geschah hier im April 1876?
- Was erwartet dich in der Batscho-Kiro-Höhle?
- Welche Route nimmst du und wann hat die Höhle auf?
- Was fanden Archäologen in der Höhle?
- Welche Wege führen durch das Tal?
- Wie planst du den Besuch am besten?
Was ist Drjanowo und warum lohnt der Abstecher?
Drjanowo selbst ist eine kleine Stadt am Fuß des Balkangebirges. Bekannt ist der Ort wegen seiner Umgebung: Aus den Kalkfelsen am Stadtrand tritt ein enger Taleinschnitt, in dem sich das Kloster, die Höhle und mehrere Wege zusammendrängen. Die Gegend gehört zu den Hundert Nationalen Touristenobjekten Bulgariens: Kloster und Höhle stehen dort jeweils unter der Nummer 22.
Für Reisende ist das ein Geschenk, weil sich so Geschichte, Natur und Bewegung in kurzer Zeit verbinden lassen. Die Wege sind kurz, die Höhle ist kühl, das Kloster liegt im Schatten, und die Straße zwischen Weliko Tarnowo und Gabrowo bringt dich ohne Umweg hin. Wer sich ohnehin für die Klöster des Landes interessiert, ergänzt hier die großen Namen wie Rila durch ein Kloster, dessen Geschichte weniger von Wandmalerei als vom Widerstand erzählt.
Wo liegt das Kloster und wie kommst du hin?
Das Kloster liegt rund sechs Kilometer von Drjanowo entfernt, an der Straße in Richtung Gabrowo. Eine Abzweigung führt in das Tal; Schilder weisen den Weg zum Klosterparkplatz. Von dort sind es zu Fuß etwa 300 Meter bis zur Höhle, ein weiterer Weg führt am Fluss entlang. Mit dem Auto kommst du nicht näher an die Höhle heran, denn die Zufahrt endet am Kloster.
Die bequemste Anreise ist mit dem Mietwagen, weil du so die Zeit für Kloster, Höhle und Wege selbst einteilst. Hinweise zu Vignette und Verleihern findest du auf der Seite Mietwagen in Bulgarien. Als Basis eignet sich Weliko Tarnowo, von wo du morgens hinfährst, oder Gabrowo, das eigene Ziele bietet.
Der Weg durch das Tal gehört zum Erlebnis. Die Schlucht ist eng, das Wasser rauscht, und die Kalkwände steigen steil an. Plane für Kloster und Höhle zusammen mindestens zwei bis drei Stunden ein, mit Lehrpfad einen halben Tag.
Was ist die Geschichte des Klosters?
Das Kloster des Erzengels Michael wurde unter Zar Kalojan gegründet, also um die Wende zum 13. Jahrhundert. Der erste Bau stand etwa zwei Kilometer nördlich der heutigen Anlage. Im Jahr 1393 brannten osmanische Truppen das Kloster nieder. Im 16. Jahrhundert wurde es auf dem gegenüberliegenden Flussufer neu errichtet, doch auch dieser Bau wurde später zerstört. Erst am Ende des 17. Jahrhunderts entstand das Kloster an seinem heutigen Platz.
In der Zeit der Nationalen Wiedergeburt wurde das Kloster zu einem Bildungszentrum mit großer Bibliothek. Bewaffnete Banden, die in der osmanischen Zeit durchs Land zogen, setzten es ein drittes Mal in Brand. Im Jahr 1845 wurde die neue Klosterkirche fertiggestellt. Eine ausführlichere Einordnung dieser Epoche bietet die Seite zur Nationalen Wiedergeburt, die osmanischen Hintergründe schildert Osmanische Herrschaft.
Die Abfolge der Zerstörungen erklärt, warum das Kloster keine mittelalterlichen Fresken besitzt, wie du sie aus Rila oder aus Batschkowo kennst. Was du sehen kannst, ist die Anlage des 19. Jahrhunderts, die nach 1876 wieder aufgebaut wurde. Wer Klöster mit alter Ausmalung sucht, ist in Roschen besser aufgehoben; wer verstehen will, wie Klöster zu Schauplätzen der Geschichte wurden, bleibt hier.
Was geschah hier im April 1876?
Der Abt des Klosters, Pachomij Stojanow, half bei der Vorbereitung des Aprilaufstands mit. Das Kloster diente als Lager für Lebensmittel und Waffen der Aufständischen. Am 29. April 1876 erreichte eine Gruppe unter dem Priester Pop Chariton und dem Volkslehrer und Dichter Batscho Kiro das Kloster. Die rund 200 Männer verschanzten sich hinter den Mauern und hielten neun Tage lang gegen osmanische Truppen stand.
Am Ende wurde die Anlage größtenteils zerstört, die Kirche halb, die Bibliothek brannte vollständig nieder. Viele der Aufständischen fielen oder wurden gefangen genommen. Schon am 3. April 1877 weihte man die Hauptkirche nach einem Teilwiederaufbau erneut. Heute steht neben der Kirche ein Mausoleum mit Kapelle, in dem die Gebeine der gefallenen Aufständischen ruhen. Ein Beinhaus mit der Statue eines Aufständischen steht dort, wo früher die kleine Kirche war.
Der Name Batscho Kiro lebt in der Landschaft fort, denn die Höhle trägt seit 1940 seinen Namen. Wer das Kloster besucht, sollte sich Zeit für das Mausoleum nehmen: Es erklärt, warum Bulgaren diesen Ort mit besonderer Ehrfurcht betreten.
Was erwartet dich in der Batscho-Kiro-Höhle?
Die Höhle liegt in einer rund 25 Meter hohen Kalkwand über dem Flusstal. Insgesamt ist das Gangsystem etwa 3.600 Meter lang und verteilt sich auf vier Ebenen. Für Besucher sind rund 700 Meter erschlossen und beleuchtet. Entstanden ist die Höhle vor etwa 1,8 Millionen Jahren, der Kalkstein selbst stammt aus einem warmen Meer der Kreidezeit; in den Wänden lassen sich Reste von Meerestieren entdecken.
Als erste erschlossene Schauhöhle Bulgariens wurde die Höhle in den 1930er Jahren für Besucher geöffnet. 1940 erhielt sie ihren heutigen Namen, 1962 wurde sie zum Naturdenkmal erklärt. Im Inneren siehst du Tropfsteine in vielen Formen, und die Säle tragen Namen: Regensaal, Konzertsaal, Empfangssaal und der Thron. Zu den bekanntesten Gebilden zählen die Steinblume, die Qualle und der Elefant.
Die Temperatur liegt das ganze Jahr bei rund 13 Grad, die Luft ist sehr feucht. Nimm daher auch im Hochsommer eine warme Jacke und rutschfeste Schuhe mit. Wer weitere Höhlen des Landes sucht, findet sie auf der Seite Höhlen in Bulgarien.
Welche Route nimmst du und wann hat die Höhle auf?
Zwei Routen stehen zur Wahl. Die kurze Route ist rund 350 Meter lang und dauert 20 bis 30 Minuten; sie führt durch die großen Säle und eignet sich für jeden, der einen schnellen Eindruck sucht. Die lange Route dauert etwa eine Stunde und führt tiefer in das Gangsystem. Sie gibt es nur mit Führung und ist für Gruppen von mindestens 15 Personen gedacht. Wer allein oder zu zweit kommt, fragt am Eingang nach Terminen, an denen eine Führung stattfindet.
Die Höhle ist täglich geöffnet: von April bis Oktober von 9 bis 18 Uhr, von November bis März von 10 bis 16 Uhr. Preise ändern sich und werden hier nicht genannt, sie hängen von der Route ab. Unabhängig von der Route solltest du feste Schuhe tragen, denn die Stufen sind feucht und an einigen Stellen eng.
Bei großem Andrang im Sommer wartest du am Eingang. Komm daher möglichst vormittags oder gegen Nachmittag, wenn Reisegruppen schon weitergezogen sind. Im Winter ist es ruhig, dafür sind die Zeiten kürzer.
Was fanden Archäologen in der Höhle?
Die Batscho-Kiro-Höhle ist über Bulgarien hinaus für ihre archäologischen Funde bekannt. Seit 2015 graben Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig gemeinsam mit dem Nationalen Archäologischen Institut mit Museum der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften aus Sofia. Die Leitung hatten Jean-Jacques Hublin, Tsenka Tsanova und Shannon McPherron zusammen mit Nikolaj Sirakow und Swoboda Sirakowa.
Am 11. Mai 2020 veröffentlichte das Team seine Ergebnisse in den Fachzeitschriften Nature und Nature Ecology and Evolution. In einer dunklen Schicht nahe dem Boden der Ablagerungen fanden sie Reste von Menschen, die vor 45.820 bis 43.650 Jahren in der Höhle lebten, möglicherweise schon vor 46.940 Jahren. Dazu kamen Tausende Tierknochen, Werkzeuge aus Stein und Knochen, Perlen und Anhänger, darunter Zähne des Höhlenbären, die zu Schmuck verarbeitet wurden.
Diese frühen modernen Menschen kamen etwa 8.000 Jahre vor dem Verschwinden der Neandertaler in Westeuropa in die Region. Die Funde zählen zu den ältesten Belegen des modernen Menschen in Europa und haben die Vorstellung verändert, wann und wie schnell sich der Mensch auf dem Kontinent ausbreitete. Wer sich für die noch frühere Geschichte des Landes interessiert, findet die späteren Kulturen auf der Seite zu den Thrakern.
Welche Wege führen durch das Tal?
Beim Kloster beginnt ein Lehrpfad, der an der Höhle vorbeiführt und durch Wald und entlang des Flusses leitet. Er ist markiert, hat Rastplätze und lässt sich in einem Teil des Tages bewältigen. Für längere Touren sind markierte Wege ausgeschildert; Führungen zu den Wegen bietet der örtliche Touristenverein Batscho Kiro gegen Gebühr an.
Der Weg eignet sich auch für Familien, solange du dich auf die kurzen Abschnitte beschränkst. Im Frühling und Herbst ist das Tal besonders angenehm, im Hochsommer bringt die Schlucht Kühle. Die Lage zwischen den Städten Weliko Tarnowo und Gabrowo macht das Tal zu einem guten Zwischenstopp auf einer Rundreise durch Nordbulgarien.
Wie planst du den Besuch am besten?
Ein Halbtag reicht für Kloster und Höhle, ein ganzer Tag für Lehrpfad, Flusstal und eine Mahlzeit in der Nähe. Beginne am Vormittag mit dem Kloster, nimm dir danach die kurze Höhlenroute vor und gehe zum Schluss ein Stück am Fluss. Mit Kindern lohnt es sich, die Reihenfolge umzukehren und zuerst die Höhle zu besuchen, solange alle frisch sind.
Als Standort empfehlen sich Weliko Tarnowo, Gabrowo oder Drjanowo selbst. Das Wetter spielt eine kleinere Rolle als bei Bergtouren, denn Höhle und Kloster sind auch bei Regen gut zu besuchen. Aktuelle Zeiten erfragst du vorab bei der Touristeninformation, besonders im Winterhalbjahr.
Wo liegt das Kloster Drjanowo?
Rund sechs Kilometer von der Stadt Drjanowo entfernt, in einer Schlucht an der Straße nach Gabrowo. Die Höhle liegt etwa 300 Meter vom Kloster entfernt.
Wie lange ist die Batscho-Kiro-Höhle geöffnet?
Täglich: von April bis Oktober von 9 bis 18 Uhr, von November bis März von 10 bis 16 Uhr.
Was geschah 1876 im Kloster Drjanowo?
Am 29. April 1876 verschanzte sich eine Gruppe von rund 200 Aufständischen um Pop Chariton und Batscho Kiro im Kloster und hielt neun Tage lang osmanischen Truppen stand.
Wie alt sind die Funde aus der Batscho-Kiro-Höhle?
Die menschlichen Reste stammen von vor 45.820 bis 43.650 Jahren, vielleicht sogar von vor 46.940 Jahren, und gehören zu den ältesten Belegen des modernen Menschen in Europa.
