Batschkowo-Kloster

Batschkowo-Kloster

Das Batschkowo-Kloster in den Rhodopen bei Plowdiw ist nach Rila das zweitgrößte Kloster Bulgariens. Gegründet 1083, vereint es byzantinische, georgische und bulgarische Traditionen. Berühmt sind seine wundertätige Marienikone, das kleine bemalte Beinhaus und die farbenprächtigen Fresken – ein stiller, tief spiritueller Ort abseits des Massentourismus.

Eingebettet in die bewaldeten Hänge der nördlichen Rhodopen, nur eine knappe Autostunde südlich von Plowdiw, liegt das Batschkowo-Kloster (Batschkowski Manastir). Weniger überlaufen als das Rila-Kloster, aber kaum weniger bedeutend, gilt es als das zweitgrößte und eines der ältesten orthodoxen Klöster des Landes. Wer durch das steinerne Tor tritt, betritt zwei ruhige Innenhöfe mit efeuberankten Galerien, alten Zypressen und dem Duft von Weihrauch. Über tausend Jahre hinweg war Batschkowo ein Ort des Gebets, der Bildung und der Zuflucht – und ist bis heute ein lebendiges Männerkloster, in dem der orthodoxe Glaube spürbar weiterlebt.

Region / OrtNördliche Rhodopen, ca. 30 km südlich von Plowdiw, am Fluss Tschepelarska
TypOrthodoxes Männerkloster, zweitgrößtes Bulgariens; Kulturdenkmal
Gegründet1083 von dem byzantinischen Feldherrn Grigorij Bakuriani georgischer Herkunft
Beste BesuchszeitApril bis Oktober; großer Pilgertag am Marienfeiertag (15. August)
AnreiseFlughafen Plowdiw oder Sofia; ab Plowdiw ca. 30 km per Auto oder Bus
Eintritt (Richtwert)Klosterhof frei; für das Beinhaus und die Ausstellung kleiner Obolus – als Richtwert zu verstehen

Warum ist Batschkowo das zweitgrößte Kloster Bulgariens?

Nach dem Rila-Kloster ist Batschkowo das größte und bedeutendste Kloster des Landes. Über die Jahrhunderte war es weit mehr als ein Ort des Gebets: Es unterhielt eine Schule, eine Bibliothek und eine Schreibstube, in der Handschriften kopiert wurden, und wurde so zu einem geistigen Zentrum, das den orthodoxen Glauben und die bulgarische Kultur auch in den langen Jahrhunderten der osmanischen Herrschaft bewahrte. Anders als viele andere Klöster wurde Batschkowo nie ganz zerstört, weshalb sich hier Bauten und Kunstwerke aus verschiedenen Epochen bis heute erhalten haben. Diese Kontinuität macht das Kloster zu einem einzigartigen Zeugnis: Man kann an seinen Mauern und Kirchen die Baugeschichte fast tausend Jahre zurückverfolgen. Als lebendiges Männerkloster mit einer aktiven Mönchsgemeinschaft ist Batschkowo zugleich ein spiritueller Ort und ein Kulturdenkmal ersten Ranges, das jährlich viele Pilger und Reisende anzieht – und dabei doch seine kontemplative Ruhe bewahrt hat.

Wie alt ist das Kloster und wer gründete es?

Batschkowo wurde im Jahr 1083 gegründet – von Grigorij Bakuriani, einem hohen byzantinischen Feldherrn georgischer Herkunft, und seinem Bruder Abasij. Diese Wurzeln erklären den außergewöhnlich internationalen Charakter des Klosters, das in seinen ersten Jahrhunderten byzantinische, georgische und armenische Traditionen vereinte, ehe es zu einem bulgarischen Kloster wurde. Der älteste erhaltene Bau ist das zweigeschossige Beinhaus etwas außerhalb der Mauern, das noch aus der Gründungszeit im 11. Jahrhundert stammt. Die Hauptkirche, die Mariä-Entschlafens-Kirche, wurde im 17. Jahrhundert errichtet, weitere Kapellen und der Refektoriumsbau kamen in unterschiedlichen Epochen hinzu. So vereint das Kloster Bauschichten aus fast tausend Jahren auf engem Raum. In seiner wechselvollen Geschichte überstand Batschkowo Kriege, Plünderungen und die osmanische Zeit und blieb dabei stets ein Ort des Glaubens. Diese lange, ungebrochene Tradition unterscheidet es von vielen Klöstern, die im 19. Jahrhundert neu aufgebaut werden mussten.

Was hat es mit der wundertätigen Ikone auf sich?

Das geistliche Herz des Klosters ist eine wundertätige Marienikone, die in der Hauptkirche verehrt wird. Der Überlieferung nach stammt sie aus dem 11. Jahrhundert und wird ihr eine schützende, heilende Kraft zugeschrieben. Gläubige aus ganz Bulgarien pilgern zu ihr, um zu beten, Kerzen zu entzünden und um Fürsprache zu bitten; die Ikone ist reich mit Silber und Weihegaben geschmückt. Ihr großer Tag ist der Marienfeiertag am 15. August, das Fest der Entschlafung der Gottesmutter, wenn Tausende von Pilgern nach Batschkowo strömen. Eine besondere Tradition ist die Prozession am Ostermontag, bei der die Ikone feierlich zu einer Kapelle im nahen Wald getragen wird. Solche lebendigen Bräuche machen deutlich, dass Batschkowo kein Museum ist, sondern ein aktiver Wallfahrtsort, an dem orthodoxe Frömmigkeit unmittelbar erfahrbar wird. Wer mehr über die religiösen Feste und Traditionen des Landes erfahren möchte, findet Hintergründe unter Feste & Brauchtum.

Innenhof des Batschkowo-Klosters mit steinernen Galerien und der efeubewachsenen Hauptkirche in den Rhodopen im warmen Licht
Der stille Innenhof des Batschkowo-Klosters mit seinen alten Galerien und der Hauptkirche – zweitgrößtes Kloster Bulgariens.

Was macht das Beinhaus so besonders?

Der wertvollste Bau des Klosters steht etwas abseits, rund zweihundert Meter oberhalb der Hauptanlage: das Beinhaus (Ossarium) aus dem 11. Jahrhundert. Es ist der einzige weitgehend original erhaltene Bau aus der Gründungszeit und diente einst der Aufbewahrung der Gebeine verstorbener Mönche. Im Inneren verbergen sich Fresken von außergewöhnlichem Wert: Die Malereien im Obergeschoss zählen zu den bedeutendsten mittelalterlichen Wandbildern der Region und zeigen unter anderem eine eindrucksvolle Darstellung des Jüngsten Gerichts. Weil das Bauwerk und seine Bilder so empfindlich sind, ist der Zugang begrenzt und nur zu bestimmten Zeiten möglich. Der kurze Aufstieg durch den Wald lohnt sich dennoch: Das schlichte, gedrungene Gebäude atmet die Atmosphäre einer fast tausendjährigen Geschichte und führt vor Augen, wie weit die künstlerischen und religiösen Wurzeln Batschkowos zurückreichen. Für Kunstliebhaber ist das Beinhaus der eigentliche Höhepunkt eines Klosterbesuchs.

Welche Kunstschätze gibt es zu sehen?

Batschkowo ist ein wahres Freilichtmuseum orthodoxer Kunst. Die Wände des zweiten Innenhofs und der Refektoriumsbau sind mit farbenprächtigen Fresken aus dem 17. Jahrhundert bedeckt, die biblische Szenen, Heiligenreihen und ein berühmtes Bild der Klostergeschichte zeigen. Im Refektorium, dem alten Speisesaal der Mönche, erstreckt sich über den steinernen Tischen ein prächtiger Freskenzyklus, der zu den schönsten des Landes zählt. Die Hauptkirche birgt neben der wundertätigen Ikone eine kunstvolle Ikonostase und weitere alte Bilder. Manche der Außenmalereien stammen von Sachari Sograf, einem der wichtigsten Meister der bulgarischen Wiedergeburtszeit, der auch im Rila-Kloster wirkte. So spannt sich in Batschkowo ein Bogen von mittelalterlicher bis zu neuzeitlicher Sakralkunst. Wer Freude an Fresken und Ikonen hat, findet weitere Höhepunkte in der Bojana-Kirche und im Überblick unter Sehenswürdigkeiten.

Wann besuche ich das Kloster am besten?

Das Kloster ist ganzjährig geöffnet, am angenehmsten aber von April bis Oktober, wenn die Rhodopen in sattem Grün oder buntem Herbstlaub stehen. Der Frühsommer und der frühe Herbst bieten mildes Wetter und weniger Andrang. Zu meiden ist – wer Ruhe sucht – der 15. August, der große Marienfeiertag, wenn Tausende Pilger anreisen; wer hingegen die lebendige Frömmigkeit erleben möchte, kommt genau dann. Da Batschkowo ein aktives Kloster ist, gelten die üblichen Regeln orthodoxer Sakralorte: angemessene, den Körper bedeckende Kleidung, Ruhe in den Kirchen und Rücksicht auf betende Gläubige. Fotografieren im Inneren der Kirchen ist meist untersagt. Ein Besuch lässt sich ideal mit der Altstadt von Plowdiw und einer Fahrt in die Rhodopen verbinden, sodass ein abwechslungsreicher Tag zwischen Kultur und Bergnatur entsteht.

Wie komme ich zum Batschkowo-Kloster?

Das Kloster liegt rund 30 Kilometer südlich von Plowdiw im Tal des Flusses Tschepelarska, an der Straße in die Rhodopen Richtung Smoljan. Von Plowdiw aus erreicht man es mit dem Mietwagen in etwa vierzig Minuten; auch Überlandbusse in Richtung Smoljan halten in der Nähe des Klosters, von wo es ein kurzer Fußweg ist. Von Sofia sind es rund 190 Kilometer, sodass sich ein Tagesausflug oder besser eine Übernachtung in Plowdiw anbietet. Ein Mietwagen macht die Kombination mit weiteren Zielen in den Rhodopen am flexibelsten, ist aber nicht zwingend nötig. Praktische Hinweise zu Anreise, Flügen, Mietwagen und Verkehr in Bulgarien findest du im Bereich Reiseplanung.

Ist das Batschkowo-Kloster das größte in Bulgarien?

Nein, es ist nach dem Rila-Kloster das zweitgrößte Kloster des Landes – aber eines der ältesten und kunsthistorisch bedeutendsten, gegründet bereits im Jahr 1083.

Kann man das berühmte Beinhaus besichtigen?

Ja, allerdings nur eingeschränkt. Das Ossarium aus dem 11. Jahrhundert mit seinen wertvollen Fresken liegt oberhalb der Hauptanlage und ist aus Konservierungsgründen nur zu bestimmten Zeiten zugänglich.

Wann ist der wichtigste Feiertag im Kloster?

Der große Pilgertag ist der 15. August, das Fest der Entschlafung der Gottesmutter. Dann kommen Tausende Gläubige zur wundertätigen Marienikone. Auch der Ostermontag mit seiner Ikonenprozession ist besonders.

Lässt sich der Besuch mit Plowdiw verbinden?

Ja, sehr gut. Das Kloster liegt nur etwa 30 Kilometer südlich von Plowdiw. Ein Tag kann die antike Altstadt der Stadt mit dem Kloster und der Bergnatur der Rhodopen verbinden.

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Noch prächtiger und größer ist das Rila-Kloster, ein Meisterwerk der Freskenkunst ist die Bojana-Kirche. Rund um das Kloster laden die Rhodopen zum Wandern ein. Zurück zur Übersicht Kultur & UNESCO.