Der Naturpark Sinite Kamani, die Blauen Steine, erhebt sich über Sliwen im Ostbalkan und umfasst rund 11.380 Hektar. Der höchste Gipfel Bulgarka misst 1.181 Meter. Im Park wachsen 1.027 höhere Pflanzenarten und leben 176 Vogelarten. Mehr als 50 Pfade führen zu Felsformationen, Haiduken-Plätzen und zur Hochfläche Karandila, die eine Seilbahn erschließt.
Wer sich Sliwen von Westen oder Osten nähert, sieht zuerst die Felsen: Die Felsen oberhalb der Stadt gaben dem Gebirge und dem Schutzgebiet den Namen Sinite Kamani, auf Deutsch Blaue Steine. Blau sind die Felsen nicht, doch sie sind das Wahrzeichen der Stadt.
Diese Seite führt durch den Park: Lage und Geologie, Flora und Fauna, Schutzgebiete, die wichtigsten Wege und Orte, die Zufahrt mit Seilbahn und Auto sowie die Regeln, die für Besucher gelten.
| Lage | über Sliwen, 300 km östlich von Sofia und 100 km westlich von Burgas |
|---|---|
| Fläche | rund 11.380 Hektar |
| Höchster Punkt | Gipfel Bulgarka, 1.181 m, höchster Punkt des Ostbalkans |
| Gestein | eine der größten Quarzporphyr-Lagerstätten Europas |
| Pflanzen | 1.027 höhere Arten, 70 Arten und 7 Unterarten endemisch, selten oder geschützt |
| Tiere | 244 Wirbeltierarten, davon 176 Vögel |
| Wege | mehr als 50 Pfade, 18 ausgebaute Routen |
| Besonderheit | einer der 100 nationalen Touristenorte Bulgariens |
Fragen, die wir beantworten
- Wo liegen die Blauen Steine und was ist das für ein Gestein?
- Welche Schutzgebiete und Naturdenkmäler gibt es?
- Welche Pflanzen wachsen im Naturpark?
- Welche Tiere leben hier und was hat es mit dem Gänsegeier auf sich?
- Wie kommst du nach Karandila?
- Welche Wege und Aktivitäten gibt es?
- Was haben die Haiduken mit dem Gebirge zu tun?
- Wer kümmert sich um den Park?
- Welche Regeln gelten im Park?
- Wie planst du den Besuch?
Wo liegen die Blauen Steine und was ist das für ein Gestein?
Der Naturpark liegt im Ostbalkan oberhalb von Sliwen. Die Stadt ist rund 300 Kilometer von Sofia entfernt und etwa 100 Kilometer von Burgas, sodass sich ein Abstecher gut mit einem Aufenthalt an der Küste verbinden lässt.
Der Name führt in die Irre, denn die Felsen sind nicht blau. Geologisch gehören sie zu einer der größten Quarzporphyr-Lagerstätten Europas. Zu den Felsformationen zählen Halkata, ein Felsphänomen nahe der Stadt, sowie die Östlichen Felsen, an denen alpine Routen verlaufen.
Der höchste Gipfel des Parks heißt Bulgarka und ist 1.181 Meter hoch. Er ist zugleich der höchste Punkt des Ostbalkans. Der Name kommt im Land mehrfach vor; ein anderer Naturpark in Zentralbulgarien heißt ebenfalls Bulgarka, liegt aber im Zentralbalkan.
Welche Schutzgebiete und Naturdenkmäler gibt es?
Der Naturpark gehört zum nationalen Schutzgebietsnetz Bulgariens. Innerhalb des Parks gibt es mehrere strenger geschützte Bereiche:
- Sechs Naturdenkmäler, das bekannteste heißt Halkata (der Ring), ein Felsphänomen nahe der Stadt.
- Das Reservat Kutelka, ausgewiesen 1986, mit 708 Hektar. Es schützt Buchenwälder der Mösischen Buche und Felslebensräume von Greifvögeln.
- Die Schutzgebiete Marinov Dol, Sazladschata und Golyama Sjutka. Die beiden ersten schützen Buchenwälder und Brutgebiete seltener Vogelarten wie des Schwarzstorchs, das dritte Lebensräume von Braunbär, Wolf und Fischotter.
- Die Naturdenkmäler Fran Kaja und Delikli Kaja, zwei markante Felsformationen.
Der Abschnitt zwischen Grebenez und Stidowo liegt auf der Vogelzugroute Via Pontica.

Welche Pflanzen wachsen im Naturpark?
Die Botanik des Parks ist gut erforscht. Nachgewiesen wurden 97 niedere Pflanzenarten, darunter 43 Algen und 54 Flechten, außerdem 1.027 höhere Pflanzenarten mit 29 Unterarten. Von ihnen sind 70 Arten und 7 Unterarten endemisch, selten, Relikte oder geschützt.
Zu den bekannten Arten gehören die Urumows Tulpe, die Pontische Schachblume, der Violette Dingel, die Schneeanemone und die Tollkirsche. Dazu kommen Felsenpflanzen wie die David-Zeitlose und die Arabische Aethionema. Im Reservat Kutelka dominiert die Mösische Buche.
Welche Tiere leben hier und was hat es mit dem Gänsegeier auf sich?
Der Park beherbergt 244 Wirbeltierarten und 1.153 wirbellose Tierarten. 78 Prozent der nachgewiesenen Wirbeltiere sind durch das bulgarische Biodiversitätsgesetz geschützt, 23 Arten gelten weltweit als gefährdet.
Besonders reich ist die Vogelwelt: 176 Arten wurden nachgewiesen, 149 davon sind geschützt. Die Felswände sind geeignete Nistplätze für Greifvögel. Der Naturpark ist eines von vier Gebieten in Bulgarien, die sich an einem großen Projekt zur Wiederansiedlung des Gänsegeiers beteiligen.
Bei den Wirbellosen sind Spinnen und Schmetterlinge am besten erforscht. Die ersten Schmetterlingsfunde Bulgariens wurden zwischen 1835 und 1837 in der Region Sliwen veröffentlicht. Ende des 19. Jahrhunderts gründete sich hier die erste bulgarische Entomologische Gesellschaft mit dem Namen Firefly.
Wie kommst du nach Karandila?
Karandila ist das bekannteste Bergresort der Region und liegt auf der Hochfläche oberhalb von Sliwen. Der Park ist durch eine asphaltierte Straße erschlossen, die meisten Ziele erreichst du mit dem Auto. Eine Seilbahn bringt Besucher in etwa 20 Minuten zur oberen Station im Gebiet Karandila.
Die untere Station liegt im Nordosten von Sliwen am Fuß des Berges. Du erreichst sie auf zwei Wegen: über Ablanowo oder über den nordöstlichen Stadtausgang Richtung Itschera und Kotel. In Ablanowo, sechs Kilometer von der Stadt entfernt, liegt eine der ersten Forstbaumschulen des Landes, angelegt 1898.
Im Gebiet Daulite nahe dem Gipfel gibt es eine 300 Meter lange Skipiste, die im Winter genutzt wird. Größere Skigebiete des Landes stellt die Seite Skigebiete in Bulgarien vor.
Welche Wege und Aktivitäten gibt es?
Im Park gibt es mehr als 50 Pfade, aus denen 18 Wege für verschiedene Interessen entwickelt wurden: biologische, historische und kombinierte Routen. Die Parkdirektion pflegt Rastplätze, markiert Wege und stellt Tafeln und Schilder auf. Als Highlights empfehlen sich:
- Der steile Haiduken-Pfad am Haiduken-Brunnen vorbei nach Karandila.
- Der Weg zum archäologischen Reservat Tuida und zur Kirche der heiligen Sophia.
- Der Aufstieg am Felsen Halkata vorbei zum Gipfel Goljama Tschatalka.
- Der Pfad zum Kloster des heiligen Spas und zur Festung Marinino Gradischte.
- Der Öko-Lehrpfad im Gebiet Mollowa Koria.
- Der Gesundheitspfad in Ablanowo, ausgelegt für Menschen mit Bewegungseinschränkungen und Sehbehinderung.
- Der Kinderbereich Kalwatscha bei Kuschbunar.
- Die Schlangenlöcher, eine Höhle mit Wasserfall, und der Blaue Strudel, ein Wasserbecken.
Die Routen sind nach Interessen gegliedert: Es gibt Strecken für Familien, Schüler, Naturfreunde und Geschichtsinteressierte. Einige führen an Felsformationen und Festungsruinen vorbei, andere konzentrieren sich auf Greifvögel, Wiesen oder Wälder. Über das Besucherzentrum lassen sich geführte Besuche und Bildungsprogramme buchen.
Daneben sind Bergsteigen, Höhlenforschung, Radfahren, Paragliding, Skifahren und Bergwandern möglich. An den Östlichen Felsen verlaufen alpine Routen, und am Gipfel Kulata gibt es einen Startplatz für Hänge- und Gleitschirmflieger. Im Sommer sind die Wege stark besucht, eine frühe Anreise lohnt sich.

Was haben die Haiduken mit dem Gebirge zu tun?
Das Gebiet Haramijata ist mit der Erinnerung an die Haiduken verbunden, bewaffnete Gruppen, die sich in den Bergen dem osmanischen Machtbereich entzogen. Den Hintergrund erklärt die Seite Osmanische Herrschaft. Das Besucherinformationszentrum liegt am Beginn des Haiduken-Pfades am Bergfuß im Nordosten der Stadt.
Die Dauerausstellung dort zeigt Gesteinsproben, Moose, Flechten, ein Herbarium und Insekten, ergänzt durch Fototafeln zu Pflanzen, Tieren und Sehenswürdigkeiten. Das Zentrum bietet außerdem Führungen, Fahrradverleih, Umweltspiele für Kinder und Fotosafaris an, verkauft Karten, Bücher und Souvenirs und vermittelt Unterkünfte im Park und in der Gemeinde Sliwen. Es gibt dort außerdem einen Multimediasaal, Beratung und Möglichkeiten zur Freiwilligenarbeit. Wer die Stempelsammlung der 100 nationalen Touristenziele führt, bekommt hier seinen Stempel. Ein zweites Besucherzentrum liegt in Karandila.
Wer kümmert sich um den Park?
Der Park wird von einer Direktion mit Sitz in Sliwen geleitet. Sie ist für Naturschutz, Forschung, Bildung, Tourismusinfrastruktur, Monitoring und Kontrolle zuständig und führt eine Datenbank zu Artenvielfalt, Naturressourcen und Kulturstätten. Beobachtet werden vor allem geschützte und seltene Pflanzen- und Tierarten, die Entwicklung des Tourismus im Park und die Folgen menschlicher und natürlicher Einflüsse auf die Artenvielfalt.
Für Besucher zeigt sich diese Arbeit an den Wegen: Rastplätze, Markierungen, Infotafeln und die zwei Spezialwege, der Öko-Pfad in Mollowa Koria und der Gesundheitspfad in Ablanowo, werden von der Direktion betreut.
Welche Regeln gelten im Park?
Im Park sind das Jagen, das Verfolgen von Tieren, das Sammeln oder Zerstören von Vogeleiern und die Zerstörung von Nestern verboten. Bleib auf den markierten Wegen, nimm deinen Müll mit und achte in den Felsen auf lose Steine.
Bei der Tourenplanung hilft die Parkdirektion in Sliwen, deren Mitarbeiter außerdem im Touristeninformationszentrum im Stadtzentrum Auskunft geben. Wanderkarten, Reiseführer und Bücher sind in den Besucherzentren erhältlich.
Wie planst du den Besuch?
Für den Park reichen ein bis zwei Tage. Der erste Tag gehört den Wegen rund um Karandila und die Seilbahn, der zweite einem der Pfade, etwa zur Festung Marinino Gradischte oder zu den Schlangenlöchern. Feste Schuhe, Wasser und Regenschutz gehören in den Rucksack. Wanderrouten für das ganze Land bündelt die Seite Wandern und Trekking.
Wer weitere Höhlen sehen will, findet sie auf der Seite Höhlen in Bulgarien. Zu Fuß ist die Gegend gut erschlossen, ein Mietwagen erleichtert die Anreise zu den Ausgangspunkten; Tipps dazu enthält die Seite Mietwagen in Bulgarien.
Warum heißt der Naturpark Blaue Steine?
Die Felsen oberhalb von Sliwen heißen Sinite Kamani, Blaue Steine. Blau sind sie nicht; das Gestein ist Quarzporphyr, eine der größten Lagerstätten Europas.
Wie komme ich nach Karandila?
Eine Seilbahn fährt in etwa 20 Minuten von der unteren Station im Nordosten von Sliwen zur oberen Station. Auch eine asphaltierte Straße führt zu den meisten Zielen.
Wie hoch ist der höchste Gipfel?
Bulgarka misst 1.181 Meter und ist der höchste Punkt des Ostbalkans.
Was ist im Park verboten?
Jagen, das Verfolgen von Tieren, das Sammeln oder Zerstören von Vogeleiern und die Zerstörung von Nestern.
