Traditionen und Rituale in Bulgarien

Bulgarien ist ein Land, in dem viele traditionelle Feste gefeiert werden. Es gibt Rituale aus uralten Zeiten, die bis heute erhalten sind.

Kukeri

Kuker

Karneval auf bulgarisch: Kukeri-Tage

Zwischen Neujahr und der Fastenzeit findet in Bulgarien das Kukeri-Ritual statt. Dieses Ritual hat eine lange Tradition und geht bis auf die Thraker zurück. Während des Festes, das mehrere Tage dauert, verkleiden sich die Männer als so genannte Kuker. Das Ritual erinnert an Karneval. Die Männer tragen Fell- oder Wollkleidung und eine oft furchterregende Maske vor dem Gesicht. Außerdem sind die Kostüme mit Glöckchen verziert, so dass die Kukeri-Tage immer mit einem lauten Gebimmel daherkommen. Das Ritual dient dazu, um eine gute Ernte, Gesundheit und Zufriedenheit für die Gemeinschaft zu bitten. Mit Hilfe der erschreckenden Köstume und dem Lärm, der durch die Glöckchen verursacht wird, sollen böse Geister vertrieben werden.

Marteniza

Die Marteniza ist ein bulgarischer Zauber, der vor dem Bösen schützt und das Gute anzieht. Traditionell wird am 1. März Baba Marta gefeiert. Das Fest symbolisiert den Frühlingsanfang. Es ist Tradition, dass sich die Bulgaren an diesem Tag geflochtene Schmuckstücke aus roten und weißen Fäden schenken. Ein solches Schmuckstück wird Marteniza genannt. Die Martenizi sollen den Träger vor Unheil bewahren. Die roten Fäden symbolisieren Gesundheit sowie Kraft und sollen die bösen Geister vertreiben. Die weißen Fäden stehen für ein langes Leben. In Bulgarien werden die Martenizi so lange getragen, bis der Frühling ein Zeichen sendet. Dies kann z.B. ein blühender Obstbaum oder ein Storch sein. Manche binden ihre Martenizi dann an einen blühenden Ast mit dem Wunsch nach Gesundheit, Fruchtbarkeit oder Erfolg. Andere werfen die Schmuckstücke in einen Fluss, damit das Böse weggeschwemmt wird und ihnen das Glück hold ist.

Hochzeitstraditionen

In Bulgarien ist eine Hochzeit ein großes Spektakel, bei dem viele alte Bräuche weiterleben. Nach der kirchlichen Trauung wird das Brautpaar von den Trauzeugen mit Glücksbringern beworfen. Dazu gehören Münzen, Getreide und Bonbons, damit das Leben des Paares reich, wohl und süß wird. Anschließend sammeln die Gäste diese Glücksbringer auf und behalten sie als Andenken. Danach werden von der Familie der Braut Sladkis verteilt, süße bulgarische Leckereien.
BrautpaarBevor die Feier anfängt, betritt das Hochzeitspaar den Festraum über ein weißes Leinentuch, das auf dem Boden ausgelegt und mit Rosen- und Zdravetsblüten geschmückt wird. Dieses Tuch symbolisiert einen wolkenlosen Weg und das Streben zueinander. Die Mütter der beiden Brautleute treten ihnen auf dem Tuch entgegen und überreichen ihnen das traditionelle Hochzeitsbrot. Das Ritual beinhaltet, dass eine der Brautmütter das Paar mit dem Brot füttert, das zuvor in Honig getunkt wurde, während die andere das so genannte Zaubersalz, eine Gewürzmischung, auf das Brot streut und es zu den Mündern der kürzlich Vermählten führt. Auf diese Weise wird symbolisiert, dass das Paar alles Süße und Salzige im Leben teilt, also in guten wie in schlechten Zeiten zusammenhält.
Die Väter der Brautleute schenken ihnen Wein ein. Dieser muss nach alter Tradition mit auf dem Rücken verschränkten Armen getrunken werden. Sodann werden die leeren Gläser über die Schulter nach hinten geworfen. Jede Scherbe steht dabei für einen zukünftigen Glücksmoment im Leben des Paares, also: je mehr Scherben, desto besser!
Nachdem die Vorspeisen serviert wurden, wird erst einmal getanzt. Anschließend stellt sich das Brautpaar Rücken an Rücken und zerreißt das rituelle Brot über Kopf. Wer dabei das größere Stück erlangt, wird in der Ehe die Hosen anhaben. Die Krümel, die dabei auf den Boden gefallen sind, geben Auskunft über die Zahl der Kinder, die das Paar haben wird. So überliefert es zumindest die Tradition.
Die traditionelle Hochzeitstorte wird erst gegen Mitternacht angeschnitten. Es wird gesagt, dass nach deren Genuss nicht nur die Braut mit einem dicken Bauch nach der Hochzeitsnacht aufwacht.